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Marx an Ferdinand Freiligrath
in Köln

London, 10. Januar [1850]

Lieber Freiligrath!

Ich schreibe Dir heut nur ein paar Zeilen in einer dringenden Angelegenheit.

Sowohl für unsre „Revue“, wie für ihre allmähliche Verwandlung in eine 14tägige- und Wochenschrift und, je nach den Verhältnissen, wieder in eine tägliche Zeitung – ebenso für unsre sonstigen propagandistischen Interessen – brauchen wir Geld. Geld ist nur in Amerika zu haben, wo jetzt alle die Halbrevolutionäre – z. B. ein Anneke, der schmählich in der Pfalz ausgekniffen und bewiesen hat, daß er selbst nicht einmal Militär ist – die goldenen Äpfel brechen.

Wir haben daher beschlossen, K. Schramm nach Amerika sofort als Emissär zu schicken. Wir brauchen zu der Reise in der Ausdehnung, wie wir sie bezwecken, wenigstens 150 Taler. Indem wir Dich ersuchen, Beiträge dafür in möglichster Kürze zu sammeln, ersuchen wir Dich zugleich, umgehend die Empfehlungsbriefe für K. Schramm, Gerant der „N. Rh. Z.“1 (durch seine kühne Flucht von der Festung Wesel unsrer Partei wiedergegeben) einzuschicken.

Wegen der Geldgeschichte habe ich auch an G. Jung geschrieben.

Auf baldige Antwort harrend

Dein
K. Marx

Die hiesigen Chartisten und französischen Réfugiés2 werden unserem Emissär ebenfalls Mandate geben.

Es ist dies eine Bundesangelegenheit.

Es ist nötig, lieber Freiligrath, daß Du in Deinem Empfehlungsschreiben Dich klar über die Stellung der „N. Rh. Z.“ in Deutschland und ihre revolutionäre Bedeutung aussprichst.