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Engels an Joseph Weydemeyer
in Frankfurt a.M.

Lieber Weydemeyer

Post tot discrimina rerum1 – nach soundso viel Arretierungen in Hessen und der Pfalz, nach 3 Wochen Schlaraffenleben in Kaiserslautern, nach 4 Wochen einer glorreichen Kampagne, bei der ich zur Abwechslung auch einmal den Sabel umschnallte und als Adjutant von Willich figurierte, nach 4 Wochen langweiligen Kantonierens mit dem Flüchtlingsdetachement im Kanton Waadt bin ich endlich wieder soweit, daß ich hier in Lausanne auf meine eignen Füße gerate. Ich werde zuallererst mich hinsetzen und eine heitre Geschichte des ganzen pfälzisch-badischen Ulks verfassen2. Da ich aber gar nicht mehr in Verbindung mit Deutschland stehe, auch nicht weiß, welche Städte in oder außer Belagerungszustand sind, so weiß ich nicht, an welchen Verleger ich mich wenden soll. Ich kenne das Volk gar nicht mehr. Du bist an Ort und Stelle und mußt daher besser wissen, welche Buchhändler geeignet wären, um wegen solch einer Geschichte, die natürlich ganz ungefährlich wird und bei der keine Konfiskation oder Prozesse riskiert werden, zu unterhandeln. Vielleicht findet sich einer in Frankfurt. Geld muß er aber haben. Sei also so gut, und schreibe mir darüber möglichst umgehend, damit ich gleich meine Schritte tun kann.

Euern roten Becker sah ich neulich in Genf ganz fidel, er kneipte mit dem Volksmann Esselen und andern gemütlichen Diis minorum gentium3 auf dem Lande.

Grüß Deine Frau und alle Bekannte bestens

von Deinem
Engels

Lausanne, 25. August 49,
8, place de la Palud