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Marx an Joseph Weydemeyer
in Frankfurt a.M.

Paris, 13. Juli [1849]
45, rue de Lille
Adresse: M. Ramboz

Lieber Weydemeyer!

Dronke wird Dir schon geschrieben haben, daß Du zu jedem Preis die roten Zeitungen losschlagen sollst.

Ich bin hier mit meiner famille sans le sou1. Und doch hat sich mir eine Gelegenheit geboten, wobei ich in ein paar Wochen 3–4000 fr. machen könnte. Meine Broschüre gegen Proudhon2, die er durch alle möglichen Mittel zu unterdrücken suchte, fängt nämlich an hier zu ziehn, und es hängt von mir ab, in die wichtigsten Zeitungen Rezensionen darüber einzuschmuggeln, so daß eine zweite Auflage nötig würde. Damit dies mir aber nütze, müßte ich die noch vorrätigen Exemplare in Brüssel und Paris an mich kaufen, um einziger propriétaire3 zu werden.

Mit 3–400 Taler könnte ich diese Operation machen und gleichzeitig mich die erste Zeit hier halten. Du könntest mir vielleicht hierzu behülflich sein. Nämlich so.

Eine Dame in Rheda, mit der auch Lüning in Verbindung steht, hatte schon 1000 Taler für die „N[eue] Rh[einische] Z[eitung]“ an Carl Post geschickt, sie aber zurückgenommen, als diese Zeitung unterging. Könnte sie nicht vielleicht zu diesem Vorschuß durch Deine Vermittlung bewogen werden? Ich glaube um so mehr Anspruch auf derartigen Vorschuß zu haben, als ich über 7000 Taler für die „N.Rh.Z.“, die doch ein Parteiunternehmen war, zugesetzt habe.

Wenn es Dir möglich ist, betreibe diese Sache, aber ohne sie andern mitzuteilen. Ich sage Dir, daß, wenn mir nicht Hülfe von irgendeiner Seite wird, ich perdu4 bin, da auch meine Familie hier ist, und schon der letzte Schmuck meiner Frau ins Pfandhaus gewandert ist.

Ich erwarte umgehende Antwort.

Dein
K. Marx