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Engels an Emil Blank
in London

Lieber Emil

Vorigen Samstag bin ich hieher nach Köln gekommen. Die „Rheinische Zeitung“1 wird am 1.Juni erscheinen. Um aber nicht sofort auf Hindernisse zu stoßen, müssen wir vorher einige Arrangements in London treffen, die wir, da kein andrer da ist, Dir zu übertragen so frei sind.

1. Besorge uns bei irgendeinem Newsman2 ein Abonnement, vom Tage der Ankunft dieses Briefs bis zum 1.Juli, auf „The Telegraph“ (daily paper3) und „The Economist“, weekly paper4. Der Newsman, dessen Adresse Du uns aufgeben kannst, damit wir Dich später nicht mehr zu behelligen brauchen, soll die Journale täglich beide in Eine Bande oder Papierstreifen schlagen – wie man gewöhnlich Journale verschickt – und soll sie adressieren: Mr.W.Clouth, St.Agatha, 12, Cologne, per Ostend.

2. Die incl. Briefe besorge gefälligst.

3. Die Unkosten für das Abonnement der beiden Blätter, Porto dieses Briefs pp. lege aus, berechne sie sofort der Expedition der „Neuen Rh[einischen] Zeitung“, St.Agatha 12, Köln, und gib auf, an wen der Betrag zu entrichten ist, was sofort geschehen wird.

Das nötige Kapital für die Zeitung ist zusammen. Alles geht gut, es handelt sich nur noch um die Journale, dann können wir anfangen. Die „Times“ kriegen wir schon, und für den ersten Monat brauchen wir von englischen Blättern nur die obigen beiden. Wenn Dir gelegentlich etwas Bemerkenswertes in einem andern Blatt aufstößt und Du willst es uns schicken, so wird uns das angenehm sein. Alle Kosten werden natürlich sofort erstattet. Auch Blätter, die über den Handel, die Lage des Geschäfts pp. ausführliche Nachrichten enthalten, sind wünschenswert. Schreib mir mal drüber, was für Blätter jetzt da existieren, damit man weiß, woran man ist.

Marie5 hab’ ich natürlich nicht gesehen, da ich früher abreisen mußte, eh’sie ankommen konnte. Ich geh’ aber bald einmal herüber, sobald wir erst im Gang sind. Übrigens ist Barmen langweiliger als je und von einem allgemeinen Haß gegen das bißchen Freiheit beherrscht, was sie haben. Die Esel meinen, die ganze Welt wär’ bloß da, damit sie tüchtig Profit machen sollen, und da das jetzt hapert, so schreien sie gräßlich. Wenn sie Freiheit haben wollen, so müssen sie bezahlen, die Franzosen und Engländer haben’s auch gemußt, aber dort meinen sie, sie müßten alles umsonst haben. Hier sieht’s etwas besser aus, aber nicht viel. Die Preußen sind noch immer die alten, die Polen werden mit Scheidewasser gebrandmarkt, und in dem Augenblick, wo ich dies schreibe, wird Mainz von den Preußen bombardiert, weil die Bürgergarde einige besoffene und wütende Soldaten arretiert hat – die souveräne Nationalversammlung in Frankfurt hört das Schießen und scheint sich gar nicht zu rühren. In Berlin liegt Camphausen auf der faulen Haut, die Reaktion, die Beamten- und Adelsherrschaft wird täglich frecher, reizt das Volk, das Volk rebelliert, und die Schlaffheit und Feigheit Camphausens führt uns neuen Revolutionen direkt entgegen. Das ist Deutschland jetzt! Adieu.

Dein
F.E.

Köln, 24.Mai 1848
14, Höhle, Köln