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Engels an Emil Blank
in London

Lieber Emil

Ich bin glücklich wieder hier. Ganz Barmen wartet, was ich tun werde. Man glaubt, ich werde sofort die Republik proklamieren. Die Philister zittern in unbestimmter Furcht, sie wissen selbst nicht recht wovor. Jedenfalls glaubt man, seit meiner Ankunft werde sich manches rasch entscheiden. C. und A.E[rmen] zitterten sichtlich, als ich bei ihnen heut aufs Comptoir trat. Ich mische mich natürlich in nichts, sondern warte ruhig, was es gibt.

Der Panic ist hier namenlos. Die Bourgeois fordern Vertrauen, aber das Vertrauen ist dahin. Die meisten kämpfen für die Existenz, wie sie selbst sagen. Davon kriegen aber die Arbeiter nichts zu fressen und rebellieren von Zeit zu Zeit ein wenig. Es herrscht eine allgemeine Auflösung, Verwüstung, Anarchie, Verzweiflung, Angst, Wut, konstitutionelle Begeistrung, Haß gegen die Republik pp., und wahrhaftig, momentan sind die Reichsten die Geplagtesten und Geängstetsten. Dabei wird übertrieben, gelogen, geschimpft, gewütet, daß man meint, verrückt zu werden. Der ruhigste Bürger ist ein wahrer Enragé. – Aber sie sollen sich erst wundern, wenn die Chartisten erst anfangen. Das mit der Prozession war noch gar nichts. Mein Freund G.Julian Harney, an den Du den inliegenden Brief, 9, Queen Street Brompton, adressieren willst, ist in 2 Monaten an der Stelle Palmerstons. I’ll bet you twopence and in fact any sum.1 Bei Deiner und meiner Mutter ist alles wohl. Dein Bruder Herm[ann] wird erwartet, Anna ist in Hamm. Grüß Marie2 und die Kinder. Bis nächstens

Dein
F.

Barmen, 15.April 48