Lieber Emil
Nach der glorreichen Februarrevolution und nach der nicht losgegangenen belgischen Märzrevolution bin ich vorige Woche wieder hierher gegangen. Ich schrieb der Mutter um Geld, um in einigen Tagen von hier nach Deutschland zurückzugehen, wo wir die „Rheinische Zeitung“1 wieder anfangen. Die Mutter ist nun sehr pressiert, mich nach Deutschland kommen zu sehen, teils weil sie glaubt, es käme hier wieder zu Schießereien, wobei ich was abkriegen könnte, teils weil sie überhaupt meine Rückkehr wünscht. Sie schreibt mir aber zugleich:
„Wie ich Dir das Geld schicken soll, weiß ich wirklich nicht, da Fould vor einigen Tagen dem Vater angezeigt hat, daß er keine Geschäfte mehr macht, und da mehrere gute Wechsel, die der Vater ihm schickte, zurückkamen und protestiert wurden. Schreibe mir also, wie ich Dir das Geld zukommen lassen soll.“
Das Einfachste ist, daß Du mir 20 Pfund in Banknoten schickst, die hier sehr gut stehen, und sie Dir sogleich von den Alten remboursieren läßt. So komme ich rasch zu meinem Gelde und kann abreisen, während ich sonst noch 8 Tage hier sitzen bleiben müßte, eh’ ich von Barmen oder gar Engelskirchen Geld bekomme. Ich schreibe also gleich heute nach Barmen, daß man Dir 20 £ remboursieren soll und bitte Dich, die Sache so zu arrangieren, wie ich’s eben gesagt, denn Wechsel taugen nicht mehr.
Du kannst die eine Hälfte der durchgeschnittenen Banknoten heute an mich: 19ter rue de la Victoire, Paris adressieren, und die andre den nächsten Tag an: Mlle. Félicité André, dieselbe Straße und No. Damit ist die Postdieberei vereitelt.
Hier geht die Sache sehr gut, d.h. die Bourgeois, die am 24.Febr. und 17.März geschlagen wurden, erheben wieder ihr Haupt und schimpfen schrecklich über die Republik. Aber das wird nur dazu führen, daß nächstens ein ganz andres Donnerwetter über sie losgeht als bisher. Wenn die Kerls so unverschämt fortfahren, so werden ihrer nächstens einige vom Volk aufgehängt. Sie haben eine gewisse Partei in der prov. Regierung, namentlich den Seifensieder Lamartine, dem es auch nächstens an den Kragen gehen wird. Die hiesigen Arbeiter, 2–300 000 Mann, wollen von niemandem etwas wissen als von Ledru-Rollin, und sie haben recht. Er ist der Entschlossenste und Radikalste von allen. Auch Flocon ist sehr gut, ich war ein paarmal bei ihm und geh’ gleich wieder hin, er ist ein kreuzbraver Kerl.
Mit dem großen Kreuzzug, der von hier ausgeht, um die deutsche Republik zu erobern, haben wir nichts zu tun.
Grüß Marie2 und die Kleinen herzlichst und antworte umgehend.
In Eile Dein
Friedrich
Paris, 26.März 48