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Marx an Heinrich Heine
in Paris

Mein lieber Heine!

Ich benutze die Durchreise des Überbringers dieser Zeilen, des Herrn Annenkow, eines sehr liebenswürdigen und gebildeten Russen, um Ihnen meine besten Grüße zukommen zu lassen.

Vor einigen Tagen fiel mir zufällig eine kleine Schmähschrift gegen Sie in die Hand – hinterlassene Briefe Börnes. Ich hätte ihn nie für so fad, kleinlich und abgeschmackt gehalten, als es da schwarz auf weiß zu lesen ist. Und welch elendes Gekohl nun gar der Nachtrag von Gutzkow, etc. Ich werde in einer deutschen Zeitschrift eine ausführliche Kritik Ihres Buchs über Börne schreiben. Eine tölpelhaftere Behandlung, als dies Buch von den christlich-germanischen Eseln erfahren hat, ist kaum in irgendeiner Literaturperiode aufzuweisen, und doch fehlt's keiner deutschen Periode an Tölpelei.

Haben Sie mir vielleicht noch „Spezielles" über Ihre Schrift mitzuteilen, so tun Sie's rasch.

Ihr
K. Marx

rue de l'Alliance, 5, hors de la Porte de Louvain
Bruxelles [um den 5. April 1846]