Hochgeehrter Herr!
Diesmal schreibe ich Ihnen, um Ihnen anzuzeigen, daß ich Ihnen nichts senden werde.
Ich habe den Entschluß gefaßt, für einige Zeit aller literarischen Tätigkeit zu entsagen und dafür desto mehr zu studieren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Ich bin jung und Autodidakt in der Philosophie. Ich habe genug gelernt, um mir eine Überzeugung zu bilden und sie nötigenfalls zu vertreten. Aber nicht genug, um mit Erfolg und gehörig für sie wirken zu können. Man wird um so mehr Anforderungen an mich machen, als ich „philosophischer Musterreiter“ bin und mir nicht durch ein Doktordiplom das Recht zu philosophieren erkauft habe. Ich denke, wenn ich wieder einmal, und dann unter eigenem Namen, etwas schreibe, diesen Anforderungen zu genügen. Und zudem darf ich meine Zeit jetzt nicht zu sehr zersplittern, da sie in kurzem wohl wieder durch kaufmännische Arbeiten mehr in Anspruch genommen werden wird. Meine bisherige literarische Tätigkeit, subjektiv genommen, bestand aus lauter Versuchen, deren Erfolg mich lehren sollte, ob meine natürlichen Anlagen mir eine fruchtbare Wirksamkeit für den Fortschritt, eine lebendige Teilnahme an der Bewegung des Jahrhunderts gestatteten. Ich kann mit dem Erfolg zufrieden sein und halte es nun für meine Pflicht, durch ein Studium, das ich mit doppelter Lust fortsetze, mir auch das immer mehr anzueignen, was einem nicht angeboren wird.
Wenn ich im Oktober nach meiner rheinischen Heimat zurückkehre, denk’ ich in Dresden Sie zu treffen und Ihnen mehr davon zu erzählen. Einstweilen leben Sie wohl und gedenken Sie meiner dann und wann.
Der Ihrige
F. Engels
Berlin, 26. 7. 42
Haben Sie Jungs Erwiderung gelesen? Ich behaupte, sie ist das Beste, was er bis jetzt geschrieben hat. Übrigens ist jetzt der andere Jung1 von der „Rhein[ischen] Ztg.“ aus Köln hier und wird Sie auf seiner Rückreise in einigen Wochen besuchen.