Trier, den 10ten Februar [1842]
Lieber Freund!
Ich bin so frei, Ihnen in beiliegender Kritik der Zensurinstruktion1 einen kleinen Beitrag für die „Deutschen Jahrbücher“ zu liefern.
Ist der Aufsatz passend für Ihr Blatt, so bitte ich, meinen Namen, Wigand ausgenommen, einstweilen nicht zu nennen und mir ferner die Nummern der „Deutschen Jahrbücher“, die meinen Aufsatz enthalten, sofort per Post zuzusenden; denn einstweilen in Trier bin ich von der literarischen Welt vollständig exkludiert.
Es versteht sich, daß es im Interesse der Sache liegt, den Druck zu beschleunigen, wenn nicht die Zensur meine Zensur zensiert.
Wissen Sie noch keinen Kritiker für Vatkes superkluges Buch „über die Sünde“ – wär’s nicht so verzweifelt klug, man wär’ versucht, es dumm zu nennen –, so steht Ihnen mein kritischer Eifer zu Gebot.
Ebenso wäre es vielleicht passend, Bayers Schrift über „den sittlichen Geist“ noch einmal vorzunehmen. Feuerbachs Kritik war ein Freundschaftsdienst. So ehrenvoll die moralische Gesinnung Bayers, so schwach und selbst unsittlich ist seine Schrift selbst.
Sehr lieb wär’ es mir, wenn Sie Wigand zukommen ließen, daß mein Manuskript in einigen Tagen eintreffen wird. Bauers2 Brief, der die endliche Absendung desselben anordnete, fand mich an einer schweren Krankheit daniederliegend, weshalb er mir erst vor einigen Tagen überreicht wurde. Mit beiliegendem Aufsatz beschäftigt, konnte ich die nötigen Korrekturen nicht vornehmen.
Da ich jetzt mit weitschweifigen Arbeiten am Abschluß bin, versteht es sich von selbst, daß den „Deutschen Jahrbüchern“ alles, was meine Kräfte vermögen, zu Gebote steht.
Mit aufrichtiger Hochachtung
Marx
Meine Adresse ist: An Dr. Marx zu Trier, abzugeben an Geh. Regierungsrat von Westphalen.