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Engels an Marx
in London

Lieber Marx,

Mit der heutigen ersten Post habe ich Dir eine Post Office Order1 für £ 5 geschickt, die Du hoffentlich erhalten hast.

Mit der englischen Post ist décidément2 etwas los. Erst der Brief, der Dir offen zukam. Dann vorgestern Dein Brief an mich mit ausgewischtem Siegel, das ich Dir zurückschickte. Jetzt kommt mir heute, Donnerstag, den 8., abends 7 Uhr, Dein Brief vom 5., also Montag, der mit der Elektrizitätsgeschichte, zu. Der Brief hat drei Londoner Poststempel vom 6. (Dienstag), von denen zwei beweisen, daß er am Dienstag morgen vor 10 Uhr schon aufgegeben war. Dann einen Manchester Stempel vom 7. (gestern), und endlich zwei desgl. von heute. Dazu ein verwischtes, schlechtgeflicktes, mir fremdes Siegel, das Du inliegend zur Prüfung zurückerhältst. Ich schicke noch heute die Envelope an den hiesigen Postmeister und verlange Erklärung, weshalb der Brief statt gestern morgen, erst heute Abend abgegeben. Schreib mir umgehend genau, wann er aufgegeben und ob das Siegel in Ordnung ist. Wir wollen diesen Hunden einen Skandal machen, daß sie daran denken sollen. Daß die Kerls Gemeinheiten machen, geht aus der heutigen „Daily News“ hervor, die direkt erklärt, Palmerston habe in Wien und Berlin Spione zur Bewachung der Flüchtlinge verlangt, und die Herren Stieber und Goldheim von Berlin dem englischen Publikum gehörig beschreibt. Es wäre famos, wenn wir den Grey ebenso nageln könnten, wie früher Mazzini den Graham angenagelt hat.

Daß mit dem Brief etwas Apartes vorgefallen, beweist auch ein Zeichen, das sie darauf gemacht haben. Das Wort Manchester auf der Adresse ist vorn und hinten bekreuzt, so:

× Manchester ×

noch stärker, als ich es nachmache.

Hebe die Siegel, die ich Dir zurückschicke, auf; wir werden sie vielleicht brauchen können.

Ich schreibe Dir morgen über die andern angeregten Punkte; ich gehe jetzt gleich diesen und den Brief an den Postmeister aufgeben. Grüß Deine Frau bestens.

Dein
F.E.

[Manchester] Donnerstag, 8.Mai3 [1851],
10 Uhr abends

Der Brief ist so ungeschickt aufgemacht, daß man noch den Rand des ursprünglichen, größeren Siegels deutlich sieht. Alles Siegellack hilft nichts, solange keine Oblate drunter ist, die alle 4 Seiten der Envelope faßt. Ich habe grade keines hier, und da ich wünsche, daß dieser Brief Dir uneröffnet zukommt, so kann ich nichts andres tun, als ihn an Schr[amm] schicken, der Dir näher wohnt als Pieper, und durch den Du wenigstens Chance hast, ihn rasch zu bekommen.

Le tout considéré4 ist es doch besser, ihn per Pieper zu schicken, was ich tue.