[Manchester, 6. oder 7.Mai 1851]
Lieber Marx,
Morgen oder übermorgen erhältst Du die Post Office Order1. Unser Buchhalter hat heute wieder keine cash2.
Seit wann gebrauchst Du zu Deinen Briefen das inliegende schöne Siegel – oder ist was damit passiert?
Il paraît donc3, daß die ganze „Neue Rheinische Zeitung“ diesen Sommer in London zusammensitzen wird, minus vielleicht Freiligrath und den honorarius4 Bürgers. Daß Lupus definitiv kommt, freut mich sehr, ich weiß übrigens jetzt positiv, daß die Geschichte mit den Alien-offices5 an der Grenze hier jetzt noch weit weniger streng ist als früher, und daß daher der ganze Skandal wegen des Verbots, Flüchtlinge hierherzuschicken, der purste Humbug ist.
Die Unterschrift des Alrauns6 zu der Genfer Adresse ist höchst sonderbar7 – une bévue inconcevable8 –, neuer Beweis, daß man a sharp look-out after these young men9 haben muß und daß sie kurzgehalten werden müssen. Es kann nur eine bévue10 sein, die Briefe des Kerlchens waren übereifrig, und vielleicht hat er geglaubt, einen famosen Geniestreich zu machen. Man muß ihn scharf inquirieren, rüffeln und ihm empfehlen: surtout pas de zèle11!
Nächstens werde ich Dir eine ökonomische Abhandlung von Wellington aus dem Jahre 1811 mitteilen, über free-trade12 und Monopol im Kolonialhandel. Das Ding ist kurios, und da es die spanischen Kolonien betrifft und nicht die englischen, so kann er den free-trader13 spielen, obwohl er gleich im Anfang mit einem aristokratisch-militärischen Fanatismus über die Kaufleute schimpft. Er dachte nicht, daß er diese Prinzipien nachher auf die englischen Kolonien anwenden helfen müßte. Aber das ist der Witz. Dafür, daß der alte Irländer unverdienterweise Napoleon besiegte, hat er später vor Cobden erliegen müssen und en économie politique14 durch das Kaudinische Joch des free-trade passieren. Die Weltgeschichte gibt doch zu sehr vielen angenehmen Betrachtungen Anlaß!
Die Auflösung der Londoner demokratischen provisorischen Regierung für Deutschland hat mich mit Kummer erfüllt. So eine schöne Gelegenheit für die Esel, sich vor dem öffentlichen Gelächter zu erhalten, findet sich sobald nicht wieder. Dafür eröffnet der große Franz Raveaux in der „Kölnischen Zeitung“ wieder seine Klüngelpolemik mit Herrn Paul Franck und andern Eseln. Er ist wieder reif, in irgendein Nationalnarrenhaus gewählt zu werden und zu sagen: „Meine Herren, hück hat die Stadt Köllen ener jroßer Dag erlebt!“ Das Vieh sitzt in Brüssel. Unser Freund, der Kommandant Engels, ist General und 1ster Kommandant geworden, und die Philister haben ihm ein Essen gegeben, worauf „unser Stupp“ seine Gesundheit ausgebracht hat. Du siehst, daß man noch zu etwas kommen kann, auch wenn man Engels heißt. Und das alte dicke Schwein, früher Leutnant unter Napoleon, freut sich in seiner Danksagung über den spezifisch preußischen Geist des Festes und der Stadt Köln.
Ich bin übrigens moralisch überzeugt, daß der Willich und Co. über einem großartigen Plan zur Revolutionierung Englands während der Exhibition brüten, obwohl es ebenso sicher ist, daß sie keinen Finger rühren werden. Wird nichts Vereinzeltes bleiben!
Der 2. stamp15 auf meinen Briefen ist für spätere Aufgabe. Ich kann für diesen stamp 1½ Stunden nach Schluß der gewöhnlichen Post den Brief noch mit demselben Zuge fortbekommen. Übrigens zahlt das die Firma.
Dein
F.E.