Lieber Marx,
Ich habe einen höchst ennuyanten Anfall von Grippe gehabt, der mich zu allem Vernünftigen und Unvernünftigen unfähig machte, daher mein Schweigen. Ich konnte Dir bloß die Post Office Order1 vorige Woche schicken – Du wirst sie erhalten haben. Die 5 Schilling gehören Lenchen2, die grade abwesend war, als ich mein exit aus Deinem Hause machte. Wenn es irgend angeht, schicke ich Dir diese oder spätestens nächste Woche die 2 £ für Hiphiphurra3, Schramm kann sie ihm hinbringen. Da ich bisher auch von Dir – seit ich Dir Weerths Brief schickte – nichts zu sehen bekommen habe, so weiß ich natürlich von nichts weiter und warte auch noch immer auf die edlen Willichschen Briefe. Den „Fr[iend] of the P[eople]“ mit Schr[amm]s Erklärung hab’ ich nicht gesehn, dies Ding kommt hier sehr unregelmäßig an; laß mir doch von Schr[amm] ein Exemplar sous bande4 zuschicken, er wird sich gewiß leicht eins verschaffen können, wenn er keins disponibel haben sollte. Daß der Landolphe sich schließlich als reiner Poltron herausgestellt hat, ist sehr angenehm zu erfahren, auf den berühmten Brief von ihm warte ich noch immer.
Ich ärgere mich hier scheußlich über die dummen Einrichtungen, die mir ein regelmäßiges und suiviertes Ochsen fast ganz unmöglich machen. An die eine Bibliothek kann ich nicht kommen, die andre, öffentliche, enthält die Sachen, die mich jetzt zunächst interessieren, nur sporadisch, und die Stunden konvenieren mir nicht; so daß mir nichts bleibt als das elende Athenæum, wo man nie etwas bekommen kann und wo die Bibliothek sich in der scheußlichsten Unordnung befindet. Dem Napier laufe ich z.B. wieder vergeblich nach, und es dauert immer 2–3 Wochen, bis man einen folgenden Band auftreiben kann. Aus Verzweiflung hab’ ich mir Ciceros „Briefe“ genommen und studiere darin das règne de5 Louis-Philippe und die Korruption des Direktoriums. Eine höchst heitere chronique scandaleuse6. Der Cicero ist wirklich unbezahlbar; Professor Krug und Sebastian Seiler in einer Person. Eine gemeinere Kanaille wie diesen Kerl haben die Reihen der Biedermänner seit Anbeginn der Welt nicht aufzuweisen. Ich werde mir dies anmutige Büchlein gehörig exzerpieren. Ohne Mehreres für heute.
Dein
F.Engels
[Manchester] 17.März 1851