[London] Samstag, 1. März 1851
Lieber Engels!
Du mußt ganz absonderliche Postgäule besitzen, da alle meine Briefe zu spät kommen.
Du weißt sehr wohl, wenn Du die erhaltnen Briefe ordentlich gelesen hast, daß alles, was Du rätst, schon geschehn ist, mit Ausnahme der Ohrfeige an Landolphe, die ich nicht probat finde. Soll einer injuriert werden, so muß es der kleine Hhiphiphurra-Schotte George Julian Harney sein und kein andrer, und dann muß Harney sich einschießen.
Ich hatte Deine beiden Briefe an Harney vor mir; ich habe den ersten abgeschickt, weil er meiner Ansicht nach besser geschrieben und passender war als die zweite verbesserte Auflage.
Gedroht ist hinreichend dem Harney wie dem Landolphe mit gerichtlicherProzedur. Deine Befürchtung, daß Landolphe gegen Schramm1 zeugt, unbegründet. Er wird vielmehr schwören, daß Schramm ihn, Komiteemitglied, vor dem Skandal angegangen, um Ordnung unter der Rotte zu halten.
Da also die „Drohung“ mit der gerichtlichen Prozedur vergeblich, que faire2, wenn nicht anders Prügel, Spion und Schapper-Willich-Triumph ruhig einstecken!
Deine sämtlichen Befürchtungen wegen Skandal richtig. Aber man wird einen sharpen3 Advokaten auch seinerseits haben. Etwas mehr oder weniger Verruf kann dem Schramm ganz gleichgültig sein. Läßt er aber die Sache auf sich beruhn, jetzt, nachdem die Franzosen der Church Street sich darin eingemischt, so ist er perdu4, wenn er nicht entweder seine öffentliche Satisfaktion von den Chartisten erhält oder wenn er die Sache nicht vor Gericht bringt. Eins von beiden.
Jones, wie ich Dir geschrieben, war nicht auf dem Meeting von Montag. Ich hatte mit ihm eine Zusammenkunft in meinem Haus verabredet, stürzte aber schon Dienstag hin, traf ihn nicht, ließ ihm ein Billett zurück, doch ja Mittwoch zu kommen. Kam nicht. Ging Donnerstag hin. Wurde abgewiesen. Ließ ein Billett zurück, worin ich ihn einlud. Kam nicht. Donnerstag abend schrieb ich ihm einen ausführlichen Brief, worin ruhig, einfach, klar die ganze Scheiße von Anfang an entwickelt, ihm die eklige Folge in der Perspektive gezeigt, öffentliche Satisfaktion verlangt und er schließlich aufgefordert wird, mich zu besuchen zur Besprechung. Kömmt nicht, obgleich er in der Stadt war, auch kein Antwortsschreiben von ihm. Jones ist also offenbar von dem kleinen schottischen Intriganten5 bearbeitet, der fürchtet, ihn mit mir zusammenzulassen. Du siehst also: von seiten der Chartisten keine Aussicht auf öffentliche Satisfaktion. Bleibt nur die gerichtliche Prozedur. Adviendra que pourra.6 Unangenehm nur, weil Pieper seine Stelle dabei verliert und wir vielleicht plus ou moins7 den chartistischen Mob auf den Hals bekommen.
Die Einführung der Fremdenbill wäre das angenehmste Ereignis für uns. Was sind jene Esel ohne tägliche öffentliche Demonstration?
Es ist nur noch Ein Mittel, die Sache zu arrangieren, ohne es zum äußersten Skandal zu treiben, und das ist, wenn Du unmittelbar, aber ohne Verzug, herkömmst. Du könntest bei mir absteigen, da ich jetzt zwei Zimmer zugemietet. Andres Mittel, erkläre ich Dir definitiv, gibt es nicht. Briefe verwirren, verschleppen, richten nichts aus.
Dein
K.M.