45
Marx an Engels
in Manchester

London, 23.Nov. 1850

Lieber Engels!

Dein Brief hat meiner Frau sehr wohlgetan. Sie befindet sich in einer wirklich gefährlichen Aufgeregtheit und Angegriffenheit. Sie hatte das Kind selbst gestillt und unter den schwierigsten Verhältnissen mit den größten Opfern sich seine Existenz erkauft. Dazu der Gedanke, daß das arme Kind ein Opfer der bürgerlichen Misère gewesen ist, obgleich es ihm speziell an keiner Pflege gefehlt hat.

Herr Schramm1 ist ganz verseilert und befindet sich in einer seiner ekelhaftesten Epochen. Zwei Tage durch, am 19. und 20.November, ließ er sich gar nicht bei uns sehn, kam dann eine Minute und verschwand sofort wieder nach einigen albernen Redensarten. Am Begräbnistage hatte er sich zum Mitfahren gemeldet, kommt einen Augenblick vor der anberaumten Stunde, spricht kein Wort von dem Begräbnis, sondern erzählt meiner Frau, daß er sich eilen müsse fortzugehn, um nicht zu spät bei seinem Bruder2 zum Essen zu kommen. Du begreifst, wie bei dem jetzigen irritabeln Zustand meiner Frau das Benehmen dieses Menschen, der so viel Freundschaft in unserm Hause genossen, beleidigen muß.

Jones hat mir die eigentliche Lage Harneys auseinandergesetzt. Er ist sous le coup de la justice3. Sein Blatt mußte dem ganzen Inhalt nach gestempelt sein. Die Regierung wartet nur eine größere Verbreitung ab, um ihn zu fassen. Der Prozeß gegen Dickens ist bloß als Präzedenz gegen ihn eingeleitet. Wird er dann gefaßt, so kann er außer der eigentlichen Strafe 20 Jahre sitzen für die Unmöglichkeit, die securities4 aufzubringen.

Bauer5 und Pfänder haben ihren Prozeß gewonnen. Roberts war ihr Advokat.

Dein
K.M.