Lieber Marx,
Den Prospekt erhalte ich soeben nebst Deinem Brief. Auf Aktien von hier ist verdammt wenig zu rechnen. Der Blank, an den ich schon früher deswegen geschrieben und der noch der beste von allen ist, ist in praxi ein Bourgeois geworden; die andern noch mehr, seit sie etabliert sind und mit den Arbeitern in Kollisionen gekommen. Die Leute scheuen sich alle wie die Pest vor der Diskussion der gesellschaftlichen Fragen; das nennen sie Aufwiegelei. Ich habe die schönsten Redensarten verschwendet, alle mögliche Diplomatie aufgeboten, aber immer schwankende Antworten. Ich mache jetzt noch einen letzten Versuch, scheitert der, so ist alles am Ende. In 2–3 Tagen hast Du positive Nachricht, wie er ausgefallen. Die Sache ist au fond1 die, daß auch diese radikalen Bourgeois hier in uns ihre zukünftigen Hauptfeinde sehen und daß sie uns keine Waffen in die Hand geben wollen, die wir sehr bald gegen sie selbst kehren würden.
Aus meinem Alten ist vollends nichts herauszubeißen. Für den ist schon die „Kölner Zeitung“ ein Ausbund von Wühlerei, und statt 1000 Talern schickte er uns lieber 1000 Kartätschkugeln auf den Hals.
Die avanciertesten hiesigen Bourgeois finden ihre Partei zu ihrer ziemlichen Zufriedenheit durch die „Köln[ische] Zeitung“ vertreten. Que veux-tu qu’on fasse, alors?2
Moses’ Agent, Schnaake, war vorige Woche hier, scheint auch gegen uns verleumdet zu haben.
Von Dronke hab’ ich keine andre Adresse als etwa die: Kaufmann Adolf Dominicus in Koblenz (sein Onkel). Sein Alter existiert in Fulda, ich glaub’ als Gymnasialdirektor. Das Nest ist klein: Dr.E.D[ronke] junior in Fulda würde ihn wohl treffen, wenn er da ist. Es ist aber abgeschmackt, daß er nicht wenigstens schreibt, wo er ist.
Von Ewerb[eck] hatte ich einen Brief, er fragt, ob wir einen angeblich wichtigen nach Mainz unter bekannter Adresse abgeschickten Brief von ihm erhalten? Hast Du ihn nicht, so schreib deswegen nach Mainz (Schullehrerkandidat Phil[ipp] Neubeck, Rentengasse (Heiliger Geist) Mainz).
Ew[erbeck] läßt in Paris das „Manifest“3 ins Italienische und Spanische übersetzen und will zu diesem Behuf 60 fr. eingesandt haben, die er sich zu zahlen verpflichtet. Das ist wieder so eine seiner Geschichten. Die Übersetzungen werden schön sein.
Ich bin an der englischen Übersetzung, die mehr Schwierigkeiten macht, als ich glaubte. Über die Hälfte ist indes fertig, und bald wird das Ganze fertig sein.
Wenn ein einziges Exemplar unsrer 17 Punkte4 hier verbreitet würde, so wär’ hier alles verloren für uns. Die Stimmung bei den Bourgeois ist wirklich niederträchtig. Die Arbeiter fangen an, sich etwas zu regen, noch sehr roh, aber massenhaft. Sie haben sofort Koalitionen gemacht. Das aber ist uns gerade im Wege. Der Elberfelder politische Klub erläßt Adressen an die Italiener, spricht sich für direkte Wahl aus, aber weist jede Debatte sozialer Fragen entschieden ab, obwohl unter 4 Augen die Herren gestehen, diese Fragen kämen jetzt an die Tagesordnung, und dabei bemerken, wir dürften darin der Zeit nicht vorgreifen!
Adios. Laß bald Näheres hören. Ist der Brief nach Paris abgegangen, und hat er Resultate gehabt?
Dein
E.
[Barmen], 25.4.48