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Marx an Engels
in Paris

[Brüssel] 15.Mai [1847]

Lieber Engels!

Du weißt, daß Vogler seit Anfang Mai in Aachen arretiert ist. Das hat für einstweilen den Druck der von Dir hergeschickten Broschüre1 unmöglich gemacht. Das erste ¹/₃ derselben hat mir sehr gut gefallen. An den 2 andern muß jedenfalls geändert werden. Mehr speziell das nächstemal über diesen Punkt.

Einlege ich den Abdruck Deiner Karikatur. Ich hatte sie der „Brüsseler-Zeitung“ zugeschickt.

Was den wirklich ekelhaften Artikel des Grün oder Konsorten in der „Trier’schen Zeitung“ angeht, so ist es zwar jetzt zu spät; ursprünglich aber hättest Du gut getan, in 2 Zeilen eine Gegenerklärung in demselben Schundblatt zu erlassen.

Nach London kann ich nicht. Die Geldmittel gestatten es nicht. Wolff2 werden wir aber hoffentlich hinbringen. Und dann wird’s genügen, daß ihr beide da seid.

Voce3 Geld:

Du erinnerst Dich, daß Heß mir und meinem Schwager Edgar4 Geld vom „Gesellschaftsspiegel“ her schuldet. Ich ziehe daher auf ihn einen Wechsel von hier, 30 Tage auf Sicht.

Der Bernays schuldet mir ebenso vom Mai vorigen Jahres 150 fr. Er erhält also ebenfalls einen Wechsel präsentiert.

Ich ersuche Dich also zu folgendem:

1. Schreib mir erstens die Adresse der beiden;

2. Teile beiden das Faktum mit und sage den Eseln

3. daß, wenn sie nicht glauben, bis zum 15.Juni die respektiven Gelder zahlen zu können, sie dennoch den Wechsel akzeptieren sollen. Ich werde dann für Deckung in Paris sorgen. Natürlich eröffnest Du den Eseln letzteres nur, wenn’s durchaus nicht anders geht.

Ich bin in solchem Geldpech momentan, daß ich zu diesem Wechselziehn Zuflucht nehmen mußte, und am Ende, den beiden Eseln soll nichts geschenkt werden. Falls die Esel bloß zum Schein die Wechsel akzeptieren wollen, muß ich das natürlich gleich wissen.

Da die Sache sehr pressiert, erwarte ich von Dir, daß Du keinen Tag versäumst, um alles in Ordnung zu bringen und mich zu benachrichtigen.

Hier in Brüssel ist ein Escompteur5 aufgetrieben.

Ich kann Dir nicht mehr schreiben. Vor ungefähr 12 Tagen ließ mir der Breyer zu Ader, aber statt an dem linken, am rechten Arm. Da ich fortarbeitete, als sei nichts vorgefallen, eiterte die Wunde, statt zu vernarben. Die Sache hätte gefährlich werden und mir den Arm kosten können. Jetzt ist’s so gut wie geheilt. Aber der Arm noch schwach. Darf nicht angestrengt werden.

Dein
Marx

[Nachschrift von Philippe Gigot]

Mein liebes Fritzchen,

Ich bin eben im Begriff, Deine Broschüre zu durchlesen – bis jetzt habe ich daran viel Spaß gehabt – und fühle mich ganz glücklich, kein Deutscher nicht zu sein. Gott oder Vernunft oder Gattung bewahre uns vor der Kleinbürgerei!

Avec laquelle j’ai l’honneur d’être

Yours most truly6
Philippe

P.S. Schreibe mir doch mal un demi mot7.