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Engels an Marx
in Brüssel

[Paris, um den 23.Oktober 1846]

Lieber M.!

Die Geschichte gegen Kri[ege] erhalten. Ist ganz gut. K[riege] wird nun zwar, da Du allein unterzeichnet, den absprechenden Ton des ersten Dokuments1 auf meine Privatrechnung schreiben und gegen dies zweite zu Kreuz kriechen, aber das ist mir Wurst. Er kann mich in seiner Privatmalice den amerikanischen Straubingern so schwarz wie möglich schildern, wenn ihm das Pläsier macht.

Aus dem Komiteebrief2 wirst Du sehen, wie ich hier bei den Straubingern durchgedrungen. Ich hab’ sie, hol mich der Teufel, nicht geschont, ich hab’ ihre ärgsten Vorurteile, sie selbst als gar keine Proletarier attackiert. Aber der Grün arbeitete mir auch zu schön in die Hände.

Frankieren tut um Gottes willen nicht an mich. Wenn mich der verdammte Leske, der mir endlich wegen der dem P[üttmann] geschickten alten Drecks3 einen nichtsnutzigen Wechsel zuschicken ließ, den ich retournieren mußte – wenn mich der Hund nicht im Stich ließe, schickt’ ich Euch sogleich 25 fr. für die Komiteekasse. Einstweilen aber übernehm’ ich die Kosten wenigstens der Korrespondenz mit mir. Wenn ich den vorigen Brief nicht frankierte, so geschah dies, weil es zu spät war und ich ihn nur noch durch Hereinschmeißen in den Briefkasten wegbekam. Sowie der L[eske] mir das Geld schickt, erhaltet Ihr ein Quotum.

Keiner der Straubinger kriegt die Antwort an Kr[iege] zu sehen. Sonst wäre sie vor Gr[ün] nicht sicher. Wir müssen namentlich dem Kerl alles vom Halse halten, bis seine Bearbeitung des Proudhonschen Buchs, nebst Noten von K.Grün, fertig ist. Dann ist er gefangen. Er revoziert darin vollständig eine Masse früher gesagter Geschichten und überliefert sich mit Leib und Seele dem Proudhonschen Erlösungssystem. Nachher hat [es]4 dann mit dem Exploitieren ein Ende, wenn er nicht wieder tournieren will. – Ist der Weitling noch in Brüssel?

Mit den Straubingern hier denk’ ich durchzukommen. Die Kerle sind freilich gräßlich unwissend und durch ihre Lebenslage gar nicht präpariert, Konkurrenz unter ihnen gibt es gar nicht, der Lohn pißt sich immer auf einem und demselben Niveau fort, der Kampf mit dem Meister dreht sich gar nicht um Lohn, sondern um den „Gesellenhochmut“ usw. Bei den Schneidern wirken jetzt die fertigen Kleiderläden revolutionierend. Wenn’s nur nicht so ein faules Handwerk wär’.

Der Grün hat scheußlich geschadet. Er hat bei den Kerls alles Bestimmte in bloße Duselei, Menschheitsstreben pp. verwandelt. Unter dem Scheine, den Weitlingschen und sonstigen Systemkommunismus anzugreifen, hat er ihnen den Kopf voll unbestimmter Belletristen- und Kleinbürgerphrasen gesetzt und alles andre für Systemreiterei ausgegeben. Selbst die Schreiner, die nie Weitlingianer gewesen – oder doch nur einzelne – haben eine abergläubische Gespensterfurcht vor dem „Löffelkommunismus“ und schließen sich – wenigstens vor dem durchgesetzten Beschluß – lieber der größten Duselei, friedlichen Beglückungsplänen usw. an, als diesem „Löffelkommunismus“. Es herrscht eine grenzenlose Konfusion hier vor.

An Harney hab’ ich dieser Tage einen leisen Angriff gegen die Friedlichkeit der Fraternal Democrats geschickt, ihm übrigens geschrieben, daß er mit Euch in Korrespondenz bleiben soll.

Dein
E.