Mehrwerts als bloße Distributionsformen betrachten. Sie sind ebensosehr Produktionsformen. |907||

||937| Es könnte scheinen, daß in der Trinität Erde-Rente, Kapital-Profit (Zins), Arbeit-Arbeitslohn das letzte Glied am rationalsten noch ist. Es ist wenigstens die source1 ausgesprochen, woraus der Arbeitslohn fließt. Aber die letzte Form vielmehr die irrationalste und die Grundlage der beiden andren, wie Lohnarbeit überhaupt Erde als Grundeigentum und Produkt als Kapital voraussetzt. Nur wenn der Arbeit ihre Bedingungen in dieser Form entgegentreten, ist sie Lohnarbeit. Als Lohnarbeit aber ist sie ausgesprochen in der Formel Arbeit-Arbeitslohn. Indem der Lohn hier als das spezifische Produkt der Arbeit erscheint, das einzige Produkt derselben (und es ist in der Tat das einzige Produkt der Arbeit für den Lohnarbeiter), erscheinen die andren Teile des Werts – Rente, Profit (Zins) – ebenso notwendig aus andren spezifischen Quellen fließend; und ganz wie der Teil des Produktswerts, der sich in Arbeitslohn auflöst, als das spezifische Produkt der Arbeit [aufzufassen ist], müssen die Teile des Werts, die sich in Rente und Profit auflösen, als spezifische Resultate der Agentien aufgefaßt werden, für die sie sind, denen sie anheimfallen, also as offspring of the earth and of the capital, respectively2. |937||

[4. Zunehmende Absonderung der verwandelten Formen
des Mehrwerts von seinem Wesen – der Mehrarbeit.
Der industrielle Profit als „Arbeitslohn für den Kapitalisten“]

||910| Betrachten wir den Weg, den das Kapital durchmacht, bevor es in der Form von zinstragendem Kapital erscheint.

Im unmittelbaren Produktionsprozeß ist die Sache noch einfach. Die surplus value hat noch keine besondre Form angenommen; außer dieser der surplus value selbst, die sie nur unterscheidet von der value des Produkts, die ein Äquivalent der in ihm reproduzierten value bildet. Wie die value überhaupt sich in labour, so löst sich die surplus value in surplus labour, unbezahlte Arbeit auf. Daher ist die surplus value auch nur gemessen durch den Teil des Kapitals, der wirklich seinen Wert ändert – das variable Kapital, den in Arbeitslohn ausgelegten Teil des Kapitals. Das konstante Kapital erscheint nur als Bedingung, um den variablen Teil des Kapitals wirken zu lassen. Es ist sehr einfach, daß, wenn mit 100 [I.] der Arbeit von 10 [Mann], die Arbeit von 20 gekauft wird (d.h. Ware, worin die Arbeit von 20 enthalten), der Wert des Produkts = 200 und der Surpluswert von 100 = unbezahlter Arbeit von 10 [Mann] ist. Oder, wenn 20 Mann arbeiten, jeder nur einen halben Tag für sich, einen halben für das Kapital arbeitet. 20 halbe Tage = 10. Es ist dasselbe, als wären nur 10 Mann bezahlt und 10 arbeiteten gratis für den Kapitalisten.

Hier in diesem Embryozustand das Verhältnis noch sehr begreiflich oder vielmehr gar nicht zu verkennen. Die Schwierigkeit besteht hier bloß darin, aufzufinden, wie diese Aneignung von Arbeit ohne Äquivalent aus dem Gesetz des Warenaustauschs – daß die Waren sich austauschen im Verhältnis zu der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit – entspringt, zunächst diesem Gesetz nicht widerspricht.

||911|| Der Zirkulationsprozeß verwischt schon, trübt schon den Zusammenhang. Indem die Masse des Mehrwerts hier zugleich bestimmt ist durch die Zirkulationszeit des Kapitals, scheint ein der Arbeitszeit fremdes Element hereinzukommen.

In dem fertigen Kapital endlich, wie es als Ganzes, [als] die Einheit von Zirkulationsprozeß und Produktionsprozeß erscheint, als Ausdruck des Reproduktionsprozesses – als eine bestimmte Wertsumme, die in einem bestimmten Zeitraum, bestimmten Zirkulationsabschnitt, bestimmten Profit (Mehrwert) produziert –, in dieser Gestalt existieren Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß nur noch als Erinnerung und als Momente, die gleichmäßig den Mehrwert bestimmen, womit seine einfache Natur verhüllt wird. Der Mehrwert erscheint jetzt als Profit. Dieser Profit 1. bezogen auf einen bestimmten Zirkulationsabschnitt des Kapitals, der von der Arbeitszeit verschieden ist; 2. der Mehrwert berechnet und bezogen nicht auf den Teil des Kapitals, aus dem er unmittelbar entspringt, sondern unterschiedslos auf das Gesamtkapital. Damit die Quelle desselben vollständig verschüttet. 3. Obgleich in dieser ersten Form des Profits die Masse des Profits noch quantitativ identisch mit der Masse des von dem besondren Kapital erzeugten Mehrwerts, ist die Rate des Profits von vornherein verschieden von der Rate des Mehrwerts; indem die Rate des Mehrwerts = mv und die Rate des Profits = mc + v . 4. Die Rate des Mehrwerts als gegeben vorausgesetzt, kann die Rate des Profits steigen oder fallen, und selbst in entgegengesetzter Richtung als die Rate des Mehrwerts.

So hat der Mehrwert in der ersten Gestalt des Profits bereits eine Form, die seine Identität mit dem Mehrwert, der Surplusarbeit, nicht nur nicht unmittelbar erkennen läßt, sondern ihr unmittelbar zu widersprechen scheint.

Weiter durch die Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit, die Bildung der allgemeinen Profitrate, und die damit verbundne oder gesetzte Wandlung der Werte in Kostenpreise, wird der Profit des besondren Kapitals nicht nur dem Ausdruck nach, als Unterschied der Profitrate von der Rate des Mehrwerts, sondern der Substanz nach, d.h. hier der Quantität nach, verschieden von dem Mehrwert selbst, den das besondre Kapital in seiner besondren Produktionssphäre erzeugt hat. Das einzelne Kapital, aber auch das Gesamtkapital in einer besondren Sphäre betrachtet, scheint nicht nur, sondern ist der Profit jetzt faktisch verschieden von Mehrwert. Kapitalien von gleicher Größe liefern gleiche Profite, oder der Profit ist im Verhältnis zur Größe der Kapitalien. Oder der Profit ist bestimmt durch den Wert des vorgeschoßnen Kapitals. In allen diesen Ausdrücken ist das Verhältnis des Profits zur organischen Komposition des Kapitals völlig ausgelöscht, nicht mehr wiederzuerkennen. Was vielmehr unmittelbar auf der Hand liegt, ist, daß gleich große Kapitalien, die sehr verschiedne Quanta Arbeit in Bewegung setzen, also sehr verschiedne Quanta Surplusarbeit kommandieren, also sehr verschiedne Quanta surplus value erzeugen, gleich großen Profit bringen. Ja, durch die Verwandlung der Werte in Kostenpreise scheint die Basis selbst – die Bestimmung des Werts der Waren durch die in ihnen enthaltne Arbeitszeit – aufgehoben.

Und in dieser ganz entfremdeten Form des Profits, und in demselben Grade, wie die Gestalt des Profits seinen innren Kern versteckt, erhält das Kapital mehr und mehr eine sachliche Gestalt, wird aus Verhältnis immer mehr Ding, aber Ding, das das gesellschaftliche Verhältnis im Leib hat, in sich verschluckt hat, mit fiktivem Leben und Selbständigkeit sich zu sich selbst verhaltendes Ding, sinnlich-übersinnliches Wesen; und in dieser Form von Kapital und Profit erscheint es als fertige Voraussetzung auf der Oberfläche. Es ist die Form seiner Wirklichkeit oder vielmehr seine wirkliche Existenzform. Und es ist die Form, worin es im Bewußtsein seiner Träger, der Kapitalisten, lebt, sich in ihren Vorstellungen abspiegelt.

Diese fixe und verknöcherte Form (metamorphosierte) des Profits (und damit des Kapitals als seines Erzeugers, denn Kapital ist Grund, Profit Folge; Kapital Ursache, Profit Wirkung; Kapital Substanz, Profit Akzidenz; Kapital ist nur als Profit erzeugendes Kapital, als Wert, der einen Profit, Zuschußwert schafft) – und damit des Kapitals als seines Grundes des sich als Kapital erhaltenden und im Profit vermehrenden Kapitals – wird noch befestigt in ihrer Äußerlichkeit dadurch, daß derselbe Ausgleichungsprozeß des Kapitals, der dem Profit diese Form des Durchschnittsprofits gibt, einen Teil von ihm unter der Form der Rente selbständig und als auf anderm Boden, der Erde, gewachsen, von ihm absondert. Die Rente stellt sich zwar ursprünglich dar als ein Teil des Profits, den der farmer dem landlord zahlt. Da aber weder er, der farmer, diesen surplus profit einsteckt, noch das Kapital, das er anwendet, sich anyhow3 von anderm Kapital als Kapital unterscheidet (weil er den surplus profit nicht dem Kapital als Kapital dankt, zahlt er ihn ja dem landlord), erscheint die Erde selbst als die Quelle dieses Teils des Werts der Ware (ihres Mehrwerts) und der landlord [scheint] nur die Erde ||912|| als juristische Persönlichkeit [zu vertreten].

Wird die Rente berechnet auf das vorgeschoßne Kapital, so noch ein Faden, der an ihren Ursprung erinnert, als einen abgesonderten Teil des Profits, also des Mehrwerts überhaupt. (Natürlich anders in Gesellschaftszustand, wo das Grundeigentum direkt die Arbeit exploitiert. Bei ihm keine Schwierigkeit, den Ursprung des surplus wealth4 zu erkennen.) Aber die Rente wird bezahlt für ein bestimmtes Quantum Grund und Boden; sie wird kapitalisiert im Wert des Bodens; dieser Wert steigt und fällt im Verhältnis zum Steigen oder Fallen der Rente; die Rente steigt oder fällt im Verhältnis zu der sich gleichbleibenden Bodenfläche (während das auf dieser arbeitende Kapital wechselnde Größe); der Unterschied der Bodenarten zeigt sich in der Höhe der Rente, die für gegebne Quadratfüße gezahlt werden muß; das Gesamtrental wird berechnet auf die gesamte Bodenfläche, um das Durchschnittsrental z. B. eines Quadratfußes zu bestimmen; die Rente erscheint, wie jede von der kapitalistischen Produktion geschaffne Gestalt derselben, zugleich als feste, gegebne, in jedem Augenblick vorhandne, also für den einzelnen unabhängig vorhandne Voraussetzung. Der farmer hat Rente zu zahlen, und zwar soviel per Maß Boden, je nach der Art des Bodens. Steigt oder fällt sie, so steigt oder fällt die Rente, die er von soviel acres zu zahlen hat; für den Boden, abgesehen von dem Kapital, das er darauf anwendet; ganz wie er den Zins zu zahlen hat, abgesehen von dem Profit, den er macht.

Das Berechnen der Rente auf das industrielle Kapital ist noch eine kritische Formel der politischen Ökonomie, die den innren Zusammenhang der Rente mit dem Profit als ihrem5 Grund und Boden festhält. In der Wirklichkeit aber erscheint dieser Zusammenhang nicht, vielmehr mißt sich hier die Rente an dem wirklichen Grund und Boden – und damit ist die ganze Vermittlung abgeschnitten und ihre veräußerlichte selbständige Gestalt vollendet. Selbständige Gestalt ist sie nur in dieser Veräußerlichung, in dem völligen Losgetrenntsein von ihrer Vermittlung. Quadratfüße Boden6 bringen soundsoviel Rente. In diesem Ausdruck, worin ein Teil des Mehrwerts – die Rente – im Verhältnis zu einem besondren Naturelement, unabhängig von der menschlichen Arbeit, sich darstellt, ist nicht nur die Natur des Mehrwerts, weil des Werts selbst, vollständig ausgelöscht, sondern der Profit selbst erscheint jetzt, wie die Rente der Erde, so er dem Kapital als einem besondren dinglichen Produktionselement geschuldet. Die Erde ist von Natur da und bringt Rente. Das Kapital besteht aus Produkten, und diese bringen Profit. Daß ein Gebrauchswert, der produziert ist, Profit bringt, und ein andrer, der nicht produziert ist, Rente bringt, sind nur zwei verschiedne Formen, worin Dinge Wert schaffen, die eine grad so begreiflich und unbegreiflich wie die andre.

Es ist klar, daß, sobald sich der Mehrwert auf7 verschiedne, besondere, auf verschiedne Produktionselemente – wie Natur, Produkte, Arbeit – bezogen, nur stofflich verschiedne Produktionselemente bezieht, daß, sobald er überhaupt besondere, gegeneinander gleichgültige, voneinander unabhängige und durch verschiedne Gesetze regulierte Gestalten erhält, seine gemeinsame Einheit – der Mehrwert – und daher die Natur dieser gemeinsamen Einheit mehr und mehr unkenntlich wird und in der Erscheinung sich nicht zeigt, sondern als verborgnes Mysterium erst entdeckt werden muß. Diese Verselbständigung der Gestalt der besondren Teile – und ihr Gegenübertreten als selbständige Gestalten – wird vollendet dadurch, daß jeder dieser Teile auf ein besondres Element als sein Maß und seinen besondren Quell reduziert wird, oder daß jeder Teil des Mehrwerts als Wirkung einer besondren Ursache, als Akzidenz einer besondren Substanz sich darstellt. So der Profit–Kapital, Rente–Erde, Arbeitslohn–Arbeit.

Und es sind diese fertigen Verhältnisse und Formen, die in der wirklichen Produktion als Voraussetzungen erscheinen, weil die kapitalistische Produktionsweise sich in den von ihr selbst geschaffen Gestalten bewegt und diese, ihr Resultat, im Prozeß der Reproduktion, ihr ebensosehr als fertige Voraussetzungen gegenübertreten. Als solche bestimmen sie praktisch das Tun und Treiben der einzelnen Kapitalisten etc., geben die Motive her, wie sie als solche in ihrem Bewußtsein sich widerspiegeln. Die Vulgärökonomie tut nichts, als dies seinen Motiven und seinen Vorstellungen nach in der Erscheinung der kapitalistischen Produktionsweise befangene Bewußtsein in doktrinärer Form aussprechen. Und je flacher sie an der Oberfläche hängt und sie nur in einer gewissen Ordnung widerhallt, um so mehr ist sie sich bewußt, „naturgemäß“ zu sein und aller abstrakten Spintisiererei fernzustehn.

||913| Oben bei dem Zirkulationsprozeß noch zu bemerken8, daß die aus dem Zirkulationsprozeß hervorgehenden Bestimmungen sich als Eigenschaften bestimmter Sorten von Kapital, fixem, zirkulierendem etc. kristallisieren und so als gegebne Eigenschaften erscheinen, die bestimmten Waren stofflich zukommen.

Wenn in der finalen Gestalt, worin der Profit, als gegeben vorausgesetzt, in der kapitalistischen Produktion erscheint, die vielen Verwandlungen, Vermittlungen, die er durchläuft, ausgelöscht und unerkennbar sind, daher auch die Natur des Kapitals; wenn diese Gestalt noch mehr fixiert wird dadurch, daß derselbe Prozeß, der ihr den letzten finish9 gibt, einen Teil des Profits ihm als Rente gegenüberstellt, ihn also zu einer besondren Form des Mehrwerts macht, die ganz so auf das Kapital bezogen ist, als stofflich besondres Produktionsinstrument, wie die Rente auf die Erde, so erreicht diese von ihrem innren Wesen durch eine Masse unsichtbarer Mittelglieder getrennte Gestalt eine noch mehr veräußerlichte Form, oder vielmehr die Form der absoluten Veräußerlichung im zinstragenden Kapital, in der Spaltung des Profits und Zins, im zinstragenden Kapital als der einfachen Gestalt des Kapitals, der Gestalt, worin das Kapital seinem eignen Reproduktionsprozeß vorausgesetzt ist. Einerseits drückt sich drin die absolute Form des Kapitals aus: G – G´. Sich verwertender Wert. Anderseits ist das Mittel weggefallen, das selbst noch beim reinen Handelskapital existiert, W, G – W – G´. Es ist bloß das Verhältnis von G zu sich selbst und gemessen an sich selbst. Es ist das Kapital ausdrücklich herausgenommen, geschieden, außerhalb des Prozesses – als Voraussetzung des Prozesses, dessen Resultat es ist und in und durch den es nur Kapital ist.

{[Hier ist] abgesehn davon, daß der Zins bloßer transfer10 sein kann und keinen wirklichen Mehrwert auszudrücken braucht, wie wenn Geld einem „Verschwender“, i.e. wenn es für Konsumtion verliehn wird. Derselbe Fall kann jedoch eintreten, wenn es geliehn wird, um zu zahlen. In beiden Fällen wird es als Geld und nicht als Kapital verliehn, wird aber für seinen Besitzer Kapital durch den bloßen Akt des Verleihens. Im zweiten Fall, [bei] discount, oder loan on temporarily not vendible commodities11, kann es sich auf den Zirkulationsprozeß des Kapitals, die notwendige Verwandlung des Warenkapitals als Geldkapital beziehn. Soweit die Beschleunigung dieses Verwandlungsprozesses – wie im Kredit seinem allgemeinen Wesen nach – die Reproduktion, also die Produktion von Mehrwert beschleunigt, ist das geliehne Geld Kapital. Soweit es dagegen nur dient, Schulden zu zahlen, ohne den Reproduktionsprozeß zu beschleunigen, vielleicht ihn unmöglich macht oder verengt, ist es bloßes Zahlungsmittel, nur Geld für den Leiher, und für den Verleiher in der Tat vom Prozeß des Kapitals unabhängiges Kapital. In diesem Fall der Zins, wie der profit upon expropriation12, von der kapitalistischen Produktion – der Erzeugung des Mehrwerts – als solcher unabhängiger fact. Es sind diese beiden Formen des Geldes, als Kaufmittel für Ware, um sie zu verzehren, und als Zahlungsmittel für Schulden, daß der Zins, ganz wie der profit upon expropriation, eine zwar in der kapitalistischen Produktion sich reproduzierende, aber von ihr unabhängige, frühen Produktionsweisen angehörende Form des Zinses. Es liegt aber in der Natur der kapitalistischen Produktion, daß Geld (oder Ware) außer[half] des Produktionsprozesses Kapital sein, als Kapital verkauft werden kann, daß dies auch in den ältern Formen geschehn kann, worin es nicht in Kapital verwandelt wird, sondern nur als Geld dient.

Die dritte ältere Form des zinstragenden Kapitals beruht darauf, daß die kapitalistische Produktion noch nicht vorhanden ist, sondern der Profit noch in der Form des Zinses eingesteckt wird, der Kapitalist als bloßer Wucherer erscheint. Dies schließt ein: 1. daß der Produzent noch selbständig mit seinen Produktionsmitteln arbeitet, die Produktionsmittel noch nicht mit ihm arbeiten (selbst wenn zu diesen Produktionsmitteln Sklaven gehören, die aber hier so wenig eine besondere ökonomische Kategorie bilden wie das Arbeitsvieh, oder höchstens stofflicher Unterschied: stumme Instrumente, fühlende, sprechende); 2. daß die Produktionsmittel ihm nur nominell gehören, d.h., daß er durch irgendwelche Zufälle unfähig ist, sie aus dem Verkauf seiner Waren zu reproduzieren. Diese Formen des zinstragenden Kapitals daher in allen Gesellschaftsformen, es mag Sklavenarbeit, Leibeigenarbeit oder freie Arbeit in ihnen herrschen, worin Warenzirkulation und Geld zirkuliert. In der letztbemerktren Form zahlt der Produzent seine Surplusarbeit an den Kapitalisten unter der Form des Zinses, der daher Profit einschließt. Es ist hier die ganze ||914| kapitalistische Produktion, ohne ihre Vorteile, die Entwicklung der gesellschaftlichen Formen der Arbeit und der aus ihnen hervorsprießenden Produktivkräfte der Arbeit. Eine Form, sehr vorherrschend bei Bauernvölkern, die aber schon einen Teil ihrer Lebensmittel und Produktionsinstrumente als Ware kaufen müssen, neben denen also gesondert schon städtische Industrie existiert, die außerdem Steuern, Rente in Geld zahlen müssen etc.}

Das zinstragende Kapital bewährt sich nur als solches, soweit das verliehne Geld wirklich in Kapital verwandelt wird und ein surplus produziert, wovon der Zins ein Teil. Allein dies hebt nicht auf, daß ihm, unabhängig vom Prozeß, der Zins und das Zinstragen als Eigenschaft eingewachsen ist. Sowenig es den Gebrauchswert der Baumwolle aufhebt als Baumwolle, daß sie versponnen oder sonstwie vernutzt werden muß, um ihre nützlichen Eigenschaften zu bewähren. Und so [beweist] das Kapital seine zinschaffende Kraft nur, indem es übergeht in den Produktionsprozeß. Aber das Arbeitsvermögen bewährt ja auch nur seine Kraft, Wert zu schaffen, wenn es im Prozeß als Arbeit betätigt, realisiert wird. Das schließt nicht aus, daß es an sich, als Vermögen, die wertschaffende Tätigkeit ist und als solche nicht erst durch den Prozeß wird, sondern ihm vielmehr vorausgesetzt ist. Als solches wird es gekauft. Es kann einer es kaufen, ohne es arbeiten zu lassen (wie z.B. ein Schauspieldirektor einen Schauspieler kauft, nicht um ihn spielen zu lassen, sondern um sein Spiel einem Konkurrenztheater zu entziehen). Ob der, der das Arbeitsvermögen kauft, seine Eigenschaft, die er bezahlt, seine Eigenschaft Wert zu schaffen, benutzt, geht den Verkäufer nichts an und die verkaufte Ware nichts, sowenig als ob der, der Kapital kauft, es als Kapital vernutzt, also die ihm inhärente Eigenschaft, Wert zu schaffen im Prozeß betätigt. Was er zahlt, ist in beiden Fällen der an sich, der Möglichkeit nach, der Natur der gekauften Ware nach, das eine Mal im Arbeitsvermögen, das andre Mal im Kapital eingeschlossene Mehrwert und [die] Fähigkeit, seinen eignen Wert zu erhalten. Deshalb betrachtet auch der Kapitalist, der mit eignem Kapital arbeitet, einen Teil des Mehrwerts als Zins, d. h. als einen Mehrwert, der aus dem Produktionsprozeß herauskommt, weil das Kapital, unabhängig davon, ihn in ihn hineingebracht hat.

Die Grundrente, und das Verhältnis Erde-Rente, kann als eine viel mysteriösre Form erscheinen als die [Form] Zins, [das Verhältnis] Kapital-Zins. Aber das Irrationale ist in der Form der Grundrente auch nicht so ausgesprochen oder gestaltet, daß es ein Verhältnis des Kapitals selbst ausdrückt. Da die Erde selbst produktiv ist (von Gebrauchswert) und selbst eine lebendige Produktivkraft (von Gebrauchswert oder zur Herstellung von Gebrauchswerten), so kann entweder superstitious13 Gebrauchswert und Tauschwert, das Ding mit einer spezifisch gesellschaftlichen Form der im Produkt enthaltnen Arbeit verwechselt werden; die Irrationalität findet dann ihren Grund in sich selbst, indem die Rente als sui generis14 mit dem kapitalistischen Prozeß als solchem nichts zu tun hat, oder die „aufgeklärte" Ökonomie kann, wegen der Nichtbeziehung der Rente, sei es auf Arbeit, sei es auf Kapital, leugnen, daß die Rente überhaupt eine Form der surplus value, und sie als bloße surcharge of price15 erklären, wozu den Grundeigentümer das Monopol des Besitzes der Erde befähigt.

Anders mit dem zinstragenden Kapital. Hier handelt es sich nicht von einem dem Kapital fremden, sondern vom Kapitalverhältnis selbst, von einem aus der kapitalistischen Produktion entspringenden und ihr spezifischen, das Wesen des Kapitals selbst ausdrückenden Verhältnis, einer Gestalt des Kapitals, worin es als Kapital erscheint. Der Profit enthält immer noch Beziehung auf das prozessierende Kapital, auf den Prozeß, worin der Mehrwert (er selbst) erzeugt wird. Im zinstragenden Kapital ist nicht, wie im Profit, die Gestalt des Mehrwerts entfremdet, fremdartig geworden, ohne unmittelbar seine einfache Gestalt und damit seine Substanz und seinen Entstehungsgrund erkennen zu lassen; im Zins ist vielmehr ausdrücklich diese entfremdete Form als das Wesentliche gesetzt, vorhanden, ausgesprochen. Sie ist als gegenseitzlich gegen die wirkliche Natur des Mehrwerts verselbständigt, fixiert. Im zinstragenden Kapital ist das Verhältnis des Kapitals zur Arbeit ausgelöst. In der Tat unterstellt der Zins den Profit, von dem er nur ein Teil ist und wie der Mehrwert ||915| sich teilt zwischen Zins und Profit, zwischen verschiednen Sorten Kapitalisten, ist in der Tat für den Lohnarbeiter ganz gleichgültig.

Der Zins ist ausdrücklich gesetzt als offspring of capital16, getrennt, unabhängig, und außerhalb des kapitalistischen Prozesses selbst. Er kommt dem Kapital als Kapital zu. Er geht ein in den Produktionsprozeß und kommt daher aus ihm heraus. Das Kapital ist mit ihm geschwängert. Es bringt den Zins nicht aus dem Produktionsprozeß heraus, sondern bringt ihn in denselben hinein. Der Überschuß des Profits über den Zins, das Quantum Mehrwert, das das Kapital erst dem Produktionsprozeß verdankt, erst als funktionierendes Kapital erzeugt, erhält daher, gegenüber dem Zins, als der dem Kapital an sich, dem Kapital für sich, dem Kapital als Kapital zukommenden Wertschöpfung, eine besondre Gestalt als industrieller Profit (Unternehmungsprofit, industriell oder kommerziell, je nachdem der Produktionsprozeß oder der Zirkulationsprozeß betont wird). Damit wird auch noch die letzte Form des Mehrwerts, die einigermaßen an seinen Ursprung erinnert, nicht nur in einer entfremdeten, sondern in direktem Gegensatz dazu gefaßten Form gesondert und aufgefaßt, und damit schließlich die Natur des Kapitals und des Mehrwerts, wie der kapitalistischen Produktion überhaupt, gänzlich mystifiziert.

Der industrielle Profit im Gegensatz zum Zins stellt das Kapital im Prozeß im Gegensatz zum Kapital außerhalb des Prozesses dar, das Kapital als Prozeß im Gegensatz zum Kapital als Eigentum17, daher den Kapitalisten als funktionierenden Kapitalisten, als Repräsentanten des arbeitenden Kapitals im Gegensatz zum Kapitalisten als der bloßen Personifizierung des Kapitals, als bloßem Eigentümer des Kapitals. So erscheint er als arbeitender Kapitalist gegen sich selbst als Kapitalisten; daher weiter als Arbeiter gegen sich als bloßen Eigentümer. Soweit daher noch ein Verhältnis des Mehrwerts zum Prozeß festgehalten wird, erscheint, geschieht es grade in der Form, worin the very notion of surplus value is negatived18. Der industrielle Profit wird in Arbeit aufgelöst, aber nicht in fremde, unbezahlte Arbeit, sondern in Lohnarbeit, in Arbeitslohn für den Kapitalisten, der hiermit mit dem Lohnarbeiter in eine Kategorie fällt, und nur eine besser bezahlte Art von Lohnarbeiter, wie ja überhaupt der Arbeitslohn sehr verschieden.

In der Tat ist es nicht dadurch, daß sich Geld in Kapital verwandelt, daß es sich gegen die stofflichen Produktionsbedingungen der Ware austauscht und diese Bedingungen – Arbeitsmaterial, Arbeitsmittel, Arbeit – im Arbeitsprozeß in Gärung geraten, aufeinander wirken, sich verbinden, einen chemischen Prozeß eingehn und die Ware als Kristall dieses Prozesses niederschlagen. So käme nie Kapital heraus, nie Mehrwert. Diese abstrakte Form des Arbeitsprozesses ist vielmehr allen Produktionsweisen, was immer ihre gesellschaftliche Gestalt oder ihre historische Bestimmtheit, gemein. Dieser Prozeß wird nur kapitalistischer Prozeß, das Geld verwandelt sich nur in Kapital, wenn 1. Warenproduktion, die Produktion des Produkts als Ware, die allgemeine Form der Produktion ist; 2. wenn Ware (Geld) gegen Arbeitsvermögen (also faktisch gegen Arbeit) als Ware sich austauscht, die Arbeit daher Lohnarbeit ist; 3. aber dies nur der Fall, wenn die objektiven Bedingungen, also (den ganzen Produktionsprozeß19 betrachtet) die Produkte der Arbeit selbst als selbständige Mächte, als ihr Nichteigentum, als fremdes Eigentum und so der Form nach als Kapital gegenüberstehn.

Die Arbeit als Lohnarbeit und die Bedingungen der Arbeit als Kapital – daher Eigentum des Kapitalisten: sie sind Selbsteigentümer, im Kapitalisten, worin sie sich personifizieren, und dessen Eigentum an ihnen, ihr Eigentum an sich selbst der Arbeit gegenüber, darstellen – sind Ausdruck desselben Verhältnisses, nur von seinen verschiedenen Polen aus. Diese Bedingung der kapitalistischen Produktion ist ihr beständiges Resultat. Es ist ihre Voraussetzung als von ihr selbst gesetzt; sie ist sich selbst vorausgesetzt, also mit ihren Bedingungen gesetzt, sobald sie sich entwickelt hat und in ihr gemäßen Verhältnissen funktioniert. Der kapitalistische Produktionsprozeß ist aber auch nicht Produktionsprozeß schlechthin; jene gegensätzlich gesellschaftliche Bestimmtheit seiner Elemente entwickelt sich nur, realisiert sich nur im Prozeß selbst, den sie durch und durch charakterisiert, und grade zu dieser gesellschaftlich bestimmten Produktionsweise, dem kapitalistischen Produktionsprozeß, macht.

|916| Sofern sich das Kapital – nicht ein bestimmtes Kapital, sondern das Kapital überhaupt – erst bildet, ist sein Bildungsprozeß der Auflösungsprozeß, das Scheidungsprodukt der ihm vorgehenden gesellschaftlichen Produktionsweise. Also historischer Prozeß und bestimmter historischer Periode angehöriger Prozeß. Dies ist seine historische Genesisperiode. (So das Dasein des Menschen das Resultat eines frühern Prozesses, den das organische Leben durchlaufen hat. Erst auf einem gewissen Punkt wird er Mensch. Aber den Menschen einmal gesetzt, ist er, als beständige Voraussetzung der Menschengeschichte, ebenso ihr beständiges Produkt und Resultat, und er ist Voraussetzung nur als sein eignes Produkt und Resultat.) Hier erst muß die Arbeit sich loslösen von den Arbeitsbedingungen in ihrer frühern Form der Identität mit denselben. Sie wird so erst freie Arbeit, und so verwandeln sich ihr gegenüber erst ihre Bedingungen in Kapital. Der Prozeß des Werdens des Kapitals zum Kapital oder seiner Entwicklung vor dem kapitalistischen Produktionsprozeß selbst und seiner Realisierung in diesem Prozeß gehören hier zwei historisch verschieden Perioden. In der letztern ist es unterstellt, sein Dasein als sich selbst betätigendes vorausgesetzt. In der erstern ist es Niederschlag des Auflösungsprozesses einer andren Gesellschaftsform. Es ist Produkt einer andren, nicht wie später es als Produkt seiner eignen Reproduktion. Die kapitalistische Produktion arbeitet auf der Lohnarbeit als ihrer vorhandenen, aber zugleich beständig von ihr reproduzierten Basis. Sie arbeitet daher auch auf dem Kapital, als der Gestalt der Arbeitsbedingungen, als ihrer gegebnen Voraussetzung, eine Voraussetzung, die aber ebenso wie die Lohnarbeit ihr beständiges Setzen, ihr beständiges Produkt ist.

Auf dieser Basis ist das Geld z.B. an sich Kapital, weil an sich die Produktionsbedingungen die entfremdete Form der Arbeit gegenüber haben, als fremdes Eigentum ihr gegenüber erscheinen und sie als solches beherrschen. Das Kapital kann dann auch als Ware, die diese Eigenschaft hat, verkauft, d. h. Kapital kann als Kapital verkauft werden, wie es im Ausleihn des Kapitals auf Zinsen geschieht.

Indem aber so das Moment der spezifisch gesellschaftlichen Bestimmtheit des Kapitals und der kapitalistischen Produktion – eine spezifisch gesellschaftliche Bestimmtheit, die sich juristisch ausdrückt im Kapital als Eigentum, im Kapitaleigentum als einer besondren Form des Eigentums – fixiert wird und der Zins daher so erscheint als der Teil des Mehrwerts, den das Kapital in dieser Bestimmtheit, getrennt von dieser Bestimmtheit als Bestimmtheit des Prozesses überhaupt, erzeugt, muß offenbar der andre Teil des Mehrwerts, das surplus des Profits über den Zins, der industrielle Profit, sich als Wert darstellen, der nicht aus dem Kapital als Kapital stammt, sondern aus dem Produktionsprozeß, getrennt von seiner gesellschaftlichen Bestimmtheit, die ja in dem Ausdruck Kapital-Zins schon ihre besondre Existenzweise erhalten hat. Vom Kapital getrennt ist aber der Produktionsprozeß Arbeitsprozeß überhaupt. Der industrielle Kapitalist als unterschieden von sich als Kapitalist, Industrieller im Unterschied von sich als Kapitalist, Eigentümer des Kapitals – ist also nur noch einfacher Funktionär im Arbeitsprozeß, nicht funktionierendes Kapital, sondern Funktionär, abgesehn vom Kapital –, also ein besondrer Träger des Arbeitsprozesses überhaupt, Arbeiter. Damit wird dann glücklich der industrielle Profit in Arbeitslohn verwandelt und fällt mit dem gewöhnlichen Arbeitslohn zusammen, von dem er sich nur noch quantitativ unterscheidet und durch besondre Form der Auszahlung, daß der Kapitalist ihn sich selbst zahlt, statt gezahlt erhält.

In dieser letzten Spaltung des Profits in Zins und industriellen Profit ist nicht nur die Natur des Mehrwerts (und daher des Kapitals) ausgelöscht, sondern ausdrücklich als etwas ganz Verschiednes dargestellt.

Der Zins drückt einen Teil des Mehrwerts aus; bloßes, unter besondrem Namen ausrangiertes Quotum des Profits; das Quotum, was dem bloßen Eigentümer des Kapitals zukommt, von ihm abgefangen wird. Aber dies bloß quantitative Teilen schlägt in ein qualitatives Teilen um, das beiden Teilen eine verwandelte Gestalt gibt, worin auch keine Pulsader ihres ursprünglichen Wesens mehr zu schlagen scheint. |917| Es befestigt sich dies zunächst darin, daß der Zins nicht als eine der Produktion gleichgiltige Teilung auftritt, die nur dann „gelegentlich“ stattfindet, wenn der Industrielle mit fremdem Kapital arbeitet. Auch wenn er mit eignem Kapital arbeitet, spaltet sich sein Profit in Zins und industriellen Profit, womit also die bloß quantitative Teilung schon als qualitative, von dem zufälligen Umstand, ob der Industrielle Eigentümer oder Nichteigentümer seines Kapitals ist, unabhängig, aus der Natur des Kapitals und der kapitalistischen Produktion selbst entspringende qualitative Teilung fixiert wird. Es sind nicht nur zwei an verschiedne Personen verteilte Quota des Profits, sondern zwei besondre Kategorien desselben, die in verschiednem Verhältnis zum Kapital, also im Verhältnis zu verschiednen Bestimmtheiten des Kapitals stehn. Diese Verselbständigung, abgesehen von den früher entwickelten Gründen, befestigt sich um so leichter, als das zinstragende Kapital als historische Form vor dem industriellen Kapital erscheint und neben ihm in seiner alten Form fortexistiert, und erst von ihm im Lauf seiner Entwicklung als eine besondere Form seiner selbst unter die kapitalistische Produktion subsumiert wird.

Aus der bloß quantitativen Teilung wird daher eine qualitative Spaltung. Das Kapital selbst wird gespalten. Soweit es Voraussetzung der kapitalistischen Produktion ist, soweit es also die entfremdete Form der Arbeitsbedingungen, ein spezifisch gesellschaftliches Verhältnis ausdrückt, realisiert es sich im Zins. Seinen Charakter als Kapital realisiert es im Zins. Andererseits, soweit es funktioniert im Prozeß, erscheint dieser Prozeß als getrennt von seinem spezifisch kapitalistischen Charakter, von seiner spezifisch gesellschaftlichen Bestimmtheit – als bloßer Arbeitsprozeß überhaupt. Soweit der Kapitalist daher in ihn eingreift, greift er nicht als Kapitalist in ihn ein, denn dieser sein Charakter ist diskontiert im Zins, sondern als Funktionär des Arbeitsprozesses überhaupt, als Arbeiter, und sein Arbeitslohn stellt sich dar im industriellen Profit. Es ist besondre Weise der Arbeit – labour of direction20–, aber die Arbeitsweisen sind ja überhaupt voneinander verschieden.

In diesen zwei Formen des Mehrwerts ist also die Natur desselben, das Wesen des Kapitals und der Charakter der kapitalistischen Produktion vollständig nicht nur ausgelöscht, sondern ins Gegenteil verkehrt. Aber, insofern auch der Charakter und die Gestalt des Kapitals vollendet, als die Versubjektivierung der Sachen, die Versachlichung der Subjekte, die Verkehrung von Ursache und Wirkung, das religiöse Quidproquo, die reine Form des Kapitals G – G', sinnlos, ohne alle Vermittlung dargestellt und ausgedrückt wird. Ebenso die Verknöcherung der Verhältnisse, ihre Darstellung als Verhältnis der Menschen zu Sachen von bestimmtem sozialen Charakter, ganz anders herausgearbeitet als in der einfachen Mystifikation der Ware und der schon komplizierteren des Geldes. Die Transsubstantiation, der Fetischismus ist vollendet.

Der Zins an sich drückt also grade das Dasein der Arbeitsbedingungen als Kapital in ihrem gesellschaftlichen Gegensatz und ihrer Metamorphose als persönliche Mächte gegenüber der Arbeit und über die Arbeit aus. Er resümiert den entfremdeten Charakter der Arbeitsbedingungen im Verhältnis zur Tätigkeit des Subjekts. Er stellt das Eigentum des Kapitals oder das bloße Kapitaleigentum als Mittel dar, die Produkte fremder Arbeit sich anzueignen als Herrschaft über fremde Arbeit. Aber er stellt diesen Charakter des Kapitals dar als etwas, was ihm außer dem Produktionsprozeß selbst zukommt und keineswegs das Resultat der spezifischen Bestimmtheit dieses Produktionsprozesses selbst ist. Er stellt es dar nicht im Gegensatz zur Arbeit, sondern umgekehrt, ohne Verhältnis zur Arbeit und als bloßes Verhältnis eines Kapitalisten zum andren. Also als eine dem Verhältnis des Kapitals zur Arbeit selbst äußerliche und gleichgültige Bestimmung. Die Verteilung des Profits unter den Kapitalisten ist dem Arbeiter als solchem gleichgültig. In dem Zins also, der Gestalt des Profits, worin der gegensätzliche Charakter des Kapitals sich einen besondren Ausdruck gibt, gibt er sich einen Ausdruck, worin dieser Gegensatz völlig ausgelöscht und ausdrücklich von ihm abstrahiert ist. Soweit er überhaupt, außer der Fähigkeit des Gelds, der Waren etc., ihren eignen Wert zu verwerten darstellt, den Mehrwert als aus ihnen herauswachsend, als ihre natürliche Frucht darstellt, also bloßer Ausdruck der Kapitalmystifikation in der äußersten Form ist – soweit er überhaupt gesellschaftliches Verhältnis als solches darstellt –, drückt er bloß Verhältnis zwischen Kapitalisten aus, keineswegs zwischen Kapital und Arbeit.

Andrerseits gibt diese Form des Zinses dem andren Teil des Profits die qualitative Form des industriellen Profits, des Arbeitslohns für die Arbeit des industriellen Kapitalisten, nicht als Kapitalisten, sondern als Arbeiter (Industrieller). Die besondren Funktionen, die der Kapitalist als solcher im Arbeitsprozeß zu verrichten hat und die ihm grade im Unterschied vom Arbeiter zukommen, werden als bloße Arbeitsfunktionen dargestellt. Er schafft Mehrwert, nicht weil er als Kapitalist arbeitet, sondern weil er, der Kapitalist, auch arbeitet. Grade als wenn ein König, der als König die Armee nominell kommandiert, gesetzt würde, sie zu kommandieren, nicht weil er als Eigentümer der Königswürde kommandiert, den Feldherrn spielt, sondern daß er König ist, weil er kommandiert, die Funktion des Feldherrn ausübt. Wird ein Teil des Mehrwerts so in dem Zins ganz getrennt vom Exploitationsprozeß, so wird der andre Teil – im industriellen Profit – dargestellt als sein direktes Gegenteil, nicht Aneignung von fremder Arbeit, sondern Wertschöpfung eigner Arbeit. Dieser Teil des Mehrwerts ist also gar nicht mehr Mehrwert, sondern das Gegenteil, Äquivalent für vollbrachte Arbeit. Da der entfremdete Charakter des Kapitals, sein Gegensatz zur Arbeit, jenseits des Exploitationsprozesses, der wirklichen Aktion dieser Entfremdung vorliegt, ist aller gegensätzliche Charakter von diesem Prozeß selbst entfernt. Daher erscheint die wirkliche Exploitation, das, worin der gegensätzliche Charakter sich verwirklicht und erst real manifestiert, grade als ihr Gegenteil, als eine stofflich besondere Art der Arbeit, aber als derselben gesellschaftlichen Bestimmtheit der Arbeit – der Lohnarbeit – angehörig. Derselben Kategorie Arbeit. Die Arbeit des Exploitierens ist hier identifiziert mit der Arbeit, die exploitiert wird.

Diese Verwandlung eines Teils des Profits in industriellen Profit geht, wie wir sehn, aus der Verwandlung des andren Teils in Zins hervor. Auf den einen fällt die gesellschaftliche Form des Kapitals – daß er Eigentum ist; auf den andren die ökonomische Funktion des Kapitals, seine Funktion im Arbeitsprozeß, aber befreit, abstrahiert von der gesellschaftlichen Form, der gegensätzlichen Form, worin es diese Funktion ist. Wie sich dies weiter mit Weisheitsgründen rechtfertigt, näher zu sehn bei der apologetischen Darstellung des Profits als labour of superintendence21. Der Kapitalist hier mit seinem manager identifiziert, wie Smith schon bemerkt hat.

Allerdings geht ein Stück wages ein (da wo manager diese wages nicht bezieht). Das Kapital in dem Produktionsprozeß erscheint als Direktor der Arbeit, als Kommandeur derselben (captain of industry22) und spielt so eine tätige Rolle im Arbeitsprozeß selbst. Soweit diese Funktionen aber aus der spezifischen Form der kapitalistischen Produktion hervorgehn – also aus der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit als seine Arbeit und daher über die Arbeiter als seine Instrumente, aus der Natur des Kapitals, das als die gesellschaftliche Einheit, das Subjekt der gesellschaftlichen Form der Arbeit, erscheint, die sich in ihm als Macht über die Arbeit personifiziert –, ist diese mit der Exploitation verbundne Arbeit (die auch an einen manager übertragen werden kann) eine Arbeit, die allerdings so gut wie die des Lohnarbeiters in den Wert des Produkts eingeht, ganz wie bei der Sklaverei die Arbeit des Sklavenaufsehers so gut bezahlt werden muß als die des Arbeiters selbst. Hat sich der Mensch sein Verhältnis zu seiner eignen Natur, zu der äußren Natur und zu den andren Menschen in religiöser Form verselbständigt, so daß er von diesen Vorstellungen beherrscht wird, so bedarf er der Priester und ihrer Arbeit. Mit dem Verschwinden der religiösen Form des Bewußtseins und seiner Verhältnisse hört aber auch diese Arbeit des Priesters auf, in den gesellschaftlichen Produktionsprozeß einzugehen. Mit dem Priester hört die Arbeit des Priesters auf und so mit dem Kapitalisten die Arbeit, die er qua23 Kapitalist verrichtet oder durch einen andren verrichten läßt. (Das Beispiel mit der Sklaverei durch Zitate auszuführen.24)

Übrigens, diese Apologie, den Profit auf Arbeitslohn zu reduzieren als wages of labour of superintendence25, dreht sich selbst gegen die Apologeten; indem englische ||919|| Sozialisten nun mit Recht geantwortet haben: Well, Ihr sollt künftig nur die wages gewöhnlicher manager beziehen. Euer industrial profit soll nicht dem Namen, sondern der Sache nach auf wages of superintendence oder direction of labour reduziert werden.

{Natürlich kann auf diese Narrheit und Seichbeutelei nicht mit allen ihren Widersprüchen eingegangen werden. Z.B. der industrial profit steigt und fällt umgekehrt, sei es zum Zins, sei es zur Grundrente. Die superintendence of labour, das bestimmte Quantum Arbeit, das der Kapitalist wirklich verrichtet, hat aber damit nichts zu tun, sowenig wie mit dem Fallen des Arbeitslohns. Diese Art Arbeitslohn hat nämlich das Eigentümliche, daß sie im umgekehrten Verhältnis zum wirklichen Arbeitslohn (soweit die Profitrate von der Rate des Mehrwerts bedingt; und sofern alle Produktionsbedingungen unverändert bleiben, ist sie ausschließlich dadurch bedingt) fällt und steigt. Aber derartige „Gegensätzchen“ heben die Dieseligkeit im Kopf des apologetischen vulgarian26 nicht auf. Die Arbeit, die der Kapitalist verrichtet, bleibt absolut dieselbe, ob er wenig oder viel Arbeitslohn zahlt, ob die Arbeiter höher oder niedriger bezahlt sind. Ganz so wenig, wie der Arbeitslohn, der für einen Arbeitstag bezahlt wird, an dem Quantum Arbeit selbst ändert. Noch weniger. Denn der Arbeiter arbeitet intensiver mit beßrem Lohn. Dagegen des Kapitalisten Arbeit ist die bestimmte Materie, sie ist qualitativ und quantitativ bestimmt durch das Quantum Arbeit, das er zu dirigieren, nicht durch den Lohn dieses Quantums. Er kann seine Arbeit ebensowenig intensivieren, wie der Arbeiter mehr Baumwolle bearbeiten kann, als er in der Fabrik vorfindet.}

Und weiter sagen sie27: Das Amt der Direktion, the labour of superintendence, kann jetzt ebenso auf dem Markt gekauft werden und ist relativ ebenso wohlfeil zu produzieren und daher zu kaufen, wie jedes andre Arbeitsvermögen. Die kapitalistische Produktion selbst hat es dahin gebracht, daß die labour of direction, ganz getrennt vom Kapitaleigentum, sei es an eignem oder fremdem Kapital, auf der Straße herumläuft. Es ist durchaus nutzlos geworden, daß diese labour of direction von Kapitalisten ausgeübt werde. Sie ist realiter vorhanden, getrennt vom Kapital, nicht in the sham separation28 von industrial capitalist and moneyed capitalist, sondern von industrial managers etc., von jeder Sorte Kapitalist. Bester Beweis: Die von den Arbeitern selbst errichteten Kooperativfabriken. Sie liefern den Beweis, daß der Kapitalist als Funktionär der Produktion ebenso überflüssig für die Arbeiter geworden, als ihm selbst die Funktion des landlords als der bürgerlichen Produktion überflüssig erscheint. Zweitens: Soweit die Arbeit des Kapitalisten nicht aus dem Prozeß als kapitalistischem hervorgeht, also mit dem Kapital von selbst aufhört, soweit sie nicht Name für die Funktion, fremde Arbeit zu exploitieren; soweit sie aus der gesellschaftlichen Form der Arbeit hervorgeht, der Kooperation, Teilung der Arbeit etc., ist sie ganz ebenso vom Kapital unabhängig, wie diese Form selbst, sobald sie die kapitalistische Hülle abgestreift. Zu sagen, daß diese Arbeit als kapitalistische Arbeit, als Funktion des Kapitalisten notwendig sei, heißt weiter nichts, als daß der vulgarian sich die im Schoße des Kapitals entwickelte gesellschaftliche Produktivkraft und gesellschaftlichen Charakter der Arbeit sich nicht losgetrennt von dieser kapitalistischen Form, von der Form der Entfremdung, des Gegensatzes und des Widerspruchs ihrer Momente, nicht getrennt von ihrer Verkehrung und ihrem Quidproquo vorstellen kann. Et c'est justement ce que nous affirmons.29 |XV-919|

||XVIII-1142| {Der wirkliche Profit des Kapitalisten zum großen Teil profit upon expropriation30, und die „individuelle Arbeit“ des Kapitalisten hat besonders breiten Spielraum auf diesem Feld, wo es sich nicht um creation of surplus value31 handelt, sondern um Verteilung des aggregate profit der whole class of capitalists among its individual members32 auf dem merkantilen Feld. Dies geht uns hier nichts an. Gewisse Arten des Profits, z. B. die auf Spekulation gegründeten, bewegen sich bloß in diesem Feld. Ihre Betrachtung ist also hier ganz ausgeschlossen. Es zeigt die viehmäßige Dummheit der Vulgärökonomie, daß sie – namentlich um den Profit als „wages“ darzustellen – dies zusammenwirft mit dem Profit, so far as it originates in the creation of surplus value33. Sieh z.B. den würdigen Roscher. Bei solchen Eseln also auch ganz natürlich, daß sie zusammenwerfen die Berechnungsitems und Kompensationsgründe der Kapitalisten in verschiednen Produktionssphären – bei der Verteilung des aggregate profit der ganzen Kapitalistenklasse – mit Gründen für die Exploitation der Arbeiter durch die Kapitalisten, mit Entstehungsgründen, sozusagen, des Profits als solchen. | XVIII–1142|

[5. Wesentlicher Unterschied zwischen der klassischen und der Vulgärökonomie. Zins und Rente als konstituierende Elemente des Marktpreises der Ware.
Versuch der Vulgärökonomen, den irrationalen Formen des Zinses und der Rente einen rationalen Schein zu geben]

||XV-919| Im zinstragenden Kapital – in der Spaltung des Profits in Zins und [industriellen] Profit – hat also das Kapital seine dinglichste Form, seine reine Fetischform erhalten und ist die Natur des Mehrwerts durchaus sich selbst abhanden gekommen dargestellt. Das Kapital – als Ding – erscheint hier als selbständige Quelle von Wert; wertschöpferisch, in derselben Weise wie die Erde in der Rente und die Arbeit im Arbeitslohn (teils eigentlichem Arbeitslohn, teils industriellem Profit). Es ist zwar immer noch der Preis der Ware, der zahlen muß Arbeitslohn, Zins, Rente, aber er zahlt sie, weil die Erde, die in sie eingeht, die Rente, das Kapital, das in sie eingeht, den Zins, und die Arbeit, die in sie eingeht, den Arbeitslohn schafft; [weil sie] diese Wertteile schaffen, die ihren respektiven Eigentümern oder Repräsentanten, [920] dem Grundeigentümer, dem Kapitalisten und dem Arbeiter (Lohnarbeiter und Industriellen) zufließen. Es ist also auf diesem Standpunkt ebensowenig für die Theorie ein Widerspruch oder, wenn es einer ist, so ist es zugleich ein Widerspruch, ein cercle vicieux34 der wirklichen Bewegung, daß einerseits der Preis der Waren den Arbeitslohn, die Rente und den Zins bestimmt, andrerseits der Preis von Zins, Rente und Arbeitslohn den Preis der Waren bestimmt.

Der Zinsfuß schwankt zwar, aber nur wie der Marktpreis jeder andren Ware, nach dem Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr. Dies hebt ebensowenig den Zins als dem Kapital immanent auf, wie die Schwankungen der Warenpreise die Preise als ihnen zukommende Bestimmungen aufheben.