Bei Betrachtung der wesentlichen Verhältnisse der kapitalistischen Produktion kann also {da dies annähernd immer mehr geschieht, das prinzipielle Ziel ist und nur in diesem Fall die Produktivkräfte der Arbeit zu dem höchsten Punkt entwickelt werden} unterstellt werden, daß die ganze Welt der Waren, alle Sphären der materiellen Produktion – der Produktion des materiellen Reichtums – der kapitalistischen Produktionsweise (formell oder real) unterworfen sind. In dieser Voraussetzung, die das limit ausdrückt, die sich also stets mehr der exakten Richtigkeit annähert, sind alle in der Produktion von Waren beschäftigten Arbeiter Lohnarbeiter, und die Produktionsmittel treten ihnen in allen diesen Sphären als Kapital gegenüber. Es kann dann als Charakteristisches der produktiven Arbeiter, i. e. der Kapital produzierenden Arbeiter, bezeichnet werden, daß ihre Arbeit sich in Waren realisiert, 〈Produkten der Arbeit〉 materiellem Reichtum. Und so hätte die produktive Arbeit eine von ihrem entscheidenden Charakteristikum, das gegen den Inhalt der Arbeit durchaus gleichgültig und von ihm unabhängig ist, unterschiedne zweite Nebenbestimmung erhalten.
Bei der nichtmateriellen Produktion, selbst wenn sie rein für den Austausch betrieben wird, also Waren produziert, ist zweierlei möglich:
1. Sie resultiert in Waren, Gebrauchswerten, die eine von den Produzenten und Konsumenten verschiedne selbständige Gestalt besitzen, also in einem Intervall zwischen Produktion und Konsumtion bestehen können, als verkäufliche Waren in diesem Intervall zirkulieren können, wie bei Büchern, Gemälden, kurz, allen Kunstprodukten, die von der Kunstleistung des exekutierenden Künstlers verschieden sind. Hier ist kapitalistische Produktion nur in sehr beschränktem Maße anwendbar, soweit z. B. ein Schriftsteller zu einem gemeinschaftlichen Werk – Enzyklopädie z. B. – eine Masse andrer als Handlanger exploitiert. ||1330|| Es bleibt hier meistens bei der Übergangsform zur kapitalistischen Produktion, daß die verschiedenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Produzenten, Handwerker oder Professionelle, für ein gemeinschaftliches Kaufmannskapital der Buchhändler arbeiten, ein Verhältnis, das mit der eigentlichen kapitalistischen Produktionsweise nichts zu tun hat und selbst formell noch nicht unter sie sub-
sumiert ist. Daß in diesen Übergangsformen die Exploitation der Arbeit grade am größten, ändert nichts an der Sache.
2. Die Produktion ist nicht trennbar von dem Akt des Produzierens, wie bei allen exekutiven Künstlern, Rednern, Schauspielern, Lehrern, Ärzten, Pfaffen etc. Auch hier findet kapitalistische Produktionsweise nur in geringem Umfang statt und kann der Natur der Sache nach nur in einigen Sphären stattfinden. Z. B. bei Unterrichtsanstalten können die Lehrer bloße Lohnarbeiter für den Unternehmer der Unterrichtsanstalt sein, wie derartige Unterrichtsfabriken zahlreich in England existieren. Obgleich sie den Schülern gegenüber keine produktiven Arbeiter sind, sind sie es ihrem Unternehmer gegenüber. Er tauscht sein Kapital gegen ihre Arbeitsvermögen um und bereichert sich durch diesen Prozeß. Ebenso bei Unternehmungen von Theatern, Vergnügungsanstalten usw. Dem Publikum verhält sich hier der Schauspieler gegenüber als Künstler, aber seinem Unternehmer gegenüber ist er ist produktiver Arbeiter. Alle diese Erscheinungen der kapitalistischen Produktion auf diesem Gebiet sind so unbedeutend, verglichen mit dem Ganzen der Produktion, daß sie gänzlich unberücksichtigt bleiben können.
Mit der Entwicklung der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise, wo viele Arbeiter an der Produktion derselben Ware zusammenarbeiten, muß natürlich das Verhältnis, worin ihre Arbeit unmittelbar zum Gegenstand der Produktion steht, sehr verschieden sein. Z. B. die früher erwähnten Handlanger in einer Fabrik haben nichts direkt mit der Bearbeitung des Rohstoffs zu tun. Die Arbeiter, die die Aufseher der direkt mit dieser Bearbeitung zu tun Habenden bilden, stehn einen Schritt weiter ab; der Ingenieur hat wieder ein andres Verhältnis und arbeitet hauptsächlich nur mit seinem Kopfe etc. Aber das Ganze dieser Arbeiter, die Arbeitsvermögen von verschiednem Werte besitzen, obgleich die angewandte Masse ziemlich dieselbe Höhe behauptet, produzieren das Resultat, das sich – das Resultat des bloßen Arbeitsprozesses betrachtet, in Ware oder einem materiellen Produkt ausspricht; und alle zusammen, als Atelier, sind die lebendige Produktionsmaschine dieser Produkte, wie sie, den gesamten Produktionsprozeß betrachtet, ihre Arbeit gegen Kapital austauschen und das Geld der Kapitalisten als Kapital reproduzieren, d. h. als sich verwertenden Wert, sich vergrößernden Wert.
Es ist ja eben das Eigentümliche der kapitalistischen Produktionsweise, die verschiedenen Arbeiten, also auch die Kopf- und Handarbeiten – oder die Arbeiten, in denen die eine oder die andre Seite vorwiegt, – zu trennen und an verschiedne Personen zu verteilen, ist jedoch nicht hindert, daß das materielle Produkt das gemeinsame Produkt dieser Personen ist oder ihr gemeinsames Produkt in materiellem Reichtum vergegenständlicht; was andrerseits ebensowenig hindert oder gar nichts daran ändert, daß das Verhältnis jeder einzelnen dieser Personen das des Lohnarbeiters zum Kapital und in diesem eminenten Sinn das des produktiven Arbeiters ist. Alle diese Personen sind nicht nur unmittelbar in der Produktion von materiellem Reichtum beschäftigt, sondern sie tauschen ihre Arbeit unmittelbar gegen das Geld als Kapital aus und reproduzieren daher unmittelbar außer ihrem Salair einen Mehrwert für den Kapitalisten. Ihre Arbeit besteht aus bezahlter Arbeit plus unbezahlter Surplusarbeit.
Außer der extraktiven Industrie, der Agrikultur und der Manufaktur existiert noch eine vierte Sphäre der materiellen Produktion, die auch die verschiednen Stufen des Handwerksbetriebs, des Manufakturbetriebs und des mechanischen Betriebs durchläuft; es ist dies die Lokomotivindustrie, sei es daß sie Menschen oder Waren transportiert. Das Verhältnis der produktiven Arbeit, i. e. des Lohnarbeiters, zum Kapital ist hier ganz dasselbe wie in den andren Sphären der materiellen Produktion. Es wird hier ferner an dem Arbeitsgegenstand eine materielle Veränderung hervorgebracht – eine räumliche, Ortsveränderung. In bezug auf den Transport von Menschen erscheint dies nur als ein Dienst, der ihnen von dem Entrepreneur geleistet wird. Aber das Verhältnis der Käufer und Verkäufer dieses Diensts hat nichts mit dem Verhältnis der produktiven Arbeiter zum Kapital zu tun, sowenig wie das der Verkäufer und Käufer von Twist.
Betrachten wir dagegen den Prozeß mit Bezug auf Waren, so ||1331|| geht hier zwar im Arbeitsprozeß eine Veränderung vor mit dem Arbeitsgegenstand, der Ware. Sein örtliches Dasein wird verändert, und damit geht eine Änderung in seinem Gebrauchswert vor, indem das örtliche Dasein dieses Gebrauchswerts verändert wird. Sein Tauschwert wächst in demselben Maß, wie diese Veränderung seines Gebrauchswerts Arbeit erheischt, eine Summe von Arbeit, die teils durch die Abnützung des konstanten Kapitals bestimmt ist – also die Summe der vergegenständlichten Arbeit, die in die
Ware1 eingeht –, teils durch die Summe der lebendigen Arbeit, wie in dem Verwertungsprozeß aller andren Waren.
Sobald die Ware am Ort ihrer Bestimmung angelangt ist, ist diese Veränderung, die mit ihrem Gebrauchswert vorgegangen, verschwunden und drückt sich nur noch in ihrem erhöhten Tauschwert, in der Verteuerung der Ware aus. Obgleich nun die reale Arbeit hier keine Spur am Gebrauchswert zurückgelassen hat, ist sie dennoch im Tauschwert dieses materiellen Produkts realisiert, und so gilt also von dieser Industrie wie von den andren Sphären der materiellen Produktion, daß sie sich verkörpert in der Ware, obgleich sie keine sichtbare Spur an dem Gebrauchswert der Ware zurückgelassen.
Wir haben es hier nur noch mit dem produktiven Kapital zu tun, d. h. dem in dem unmittelbaren Produktionsprozeß beschäftigten Kapital. Wir kommen später zum Kapital im Zirkulationsprozeß. Und erst später bei der besondern Gestalt, die das Kapital als merkantiles Kapital annimmt, kann die Frage beantwortet werden, wieweit die von ihm beschäftigten Arbeiter produktiv oder nicht produktiv sind.2 ||XXI-1331||