17
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über den Einfluß der Konkurrenz in der Baumwollindustrie
auf die Lage der Arbeiter in Frankreich]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 5. Januar 1869]

Es zeige sich, daß die Baumwollfabrikanten Frankreichs ein Bündnis eingegangen seien, um die englischen Fabrikanten auf ihren eigenen Märkten zu unterbieten. Die französischen Fabrikanten gäben zu, daß sie sich trotz der besseren Maschinen und des größeren Kapitals der englischen Fabrikanten infolge der niedrigen Löhne, die den Arbeitern in Frankreich gezahlt werden, behaupten konnten. Sie hofften, ihre Waren durch weitere Lohnsenkungen billiger als die englischen Fabrikanten produzieren zu können. Herr Bertel, Bürgermeister von Sotteville-lès-Rouen und einer der größten Fabrikanten dieser Stadt, habe als erster diesen neuen Kreuzzug gegen die Arbeiterklasse eröffnet. Er habe eine Senkung der Löhne um täglich 31/2 Pence vorgeschlagen. Diejenigen Arbeiter, welche diese Bedingungen ablehnten, seien ausgesperrt worden und hätten sich jetzt an die Internationale Arbeiterassoziation um Hilfe gewandt.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

18
[Resolution des Generalrats
über das Programm des Baseler Kongresses]

In Übereinstimmung mit dem Bericht des Ständigen Komitees wird für den bevorstehenden Kongreß das folgende Programm angenommen:

1. Frage des Grundeigentums;

2. Das Erbrecht;

3. In welchem Umfang die Arbeiterklasse unmittelbar Kredit benutzen kann;

4. Frage der allgemeinen Bildung; 5. Der Einfluß der Gewerksgenossenschaften auf die Befreiung der Arbeiterklasse;
Ferner wurde folgende Tagesordnung beschlossen:

1. Bestätigung der Mandate;
2. Wahl der Personen für den Kongreßdienst;
3. Bericht des Generalrats und Berichte der Zweiggesellschaften und Sektionen;
4. Diskussion zu Fragen, die auf dem Programm des Kongresses stehen;
5. Bestimmung des Sitzes des Generalrats für das folgende Jahr;
6. Wahl der Mitglieder des Generalrats;
7. Bestimmung von Zeit und Ort des folgenden Kongresses.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

19
[Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx
über das Grundeigentum]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 6. Juli 1869]

I

Bürger Marx war der Meinung, Milner habe das Wesen des Streits nicht völlig verstanden. Es gäbe keinen Einwand gegen die Umwandlung der Bergwerke und Wälder in Gemeineigentum. Der Schaden, der durch die Anhäufung von Grund und Boden in den Händen weniger angerichtet wird, werde von allen anerkannt. Meinungsverschiedenheiten gebe es nur hinsichtlich des Ackerlandes. Die Einwände kämen von seiten der Anhänger des kleinen Ackerbaus; das kleine Grundeigentum sei der Streitgegenstand.

Der Hinweis auf die gesellschaftliche Notwendigkeit sei ein stärkeres Argument als die Forderung nach abstraktem Recht. Alles, jede mögliche Form der Unterdrückung, sei durch das abstrakte Recht gerechtfertigt worden; es sei höchste Zeit, mit dieser Agitation Schluß zu machen. Die Frage sei, in welcher Form dieses Recht verwirklicht werden solle. Es sei eine gesellschaftliche Notwendigkeit gewesen, Feudaleigentum in Bauerneigentum umzuwandeln. In England habe der Eigentümer bereits aufgehört, eine Notwendigkeit in der Landwirtschaft zu sein.

Was das natürliche Recht anbelange, so habe auch das Tier ein natürliches Recht auf den Boden, ohne den es nicht leben könne. Wenn man dieses natürliche Recht zu seinen logischen Konsequenzen führe, werde man bei der Behauptung anlangen, daß jeder einzelne seine eigene Parzelle bebauen solle.

Gesellschaftliches Recht und gesellschaftliche Notwendigkeit bestimmten, auf welche Weise die Subsistenzmittel zu erlangen seien. Die gesellschaftliche Notwendigkeit setzt sich durch, und dort, wo Kooperation unerläßlich werde, entstünden Fabriken. Die Tatsache, daß niemand allein etwas herstellen könne, habe die Kooperation zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit gemacht.

Er sei nicht dagegen, wenn der Resolution eine vollkommenere Form gegeben werde.

II

Die Kleinbauernschaft sei auf den Kongressen nicht zugegen, sei dort jedoch durch ihre Ideologen vertreten. Die Proudhonisten hielten an diesem Punkt sehr hartnäckig fest, und sie seien in Brüssel gewesen. Der Generalrat sei für die Resolution verantwortlich. Sie sei von der Brüsseler Kommission verfaßt worden, von Leuten, die die Einwände, mit denen sie es zu tun haben würden, gut gekannt hätten. Ich bin nicht dagegen, die Resolution umzuarbeiten. Bürger Weston habe nur von der gesellschaftlichen Notwendigkeit gesprochen. Wir haben gesehen, daß beide Formen des Eigentums an Grund und Boden zu schlechten Ergebnissen geführt haben. Der kleine Bauer sei nur ein nomineller Eigentümer, doch sei er um so gefährlicher, weil er sich noch immer einbilde, daß er tatsächlicher Eigentümer sei; in England könne der Grund und Boden innerhalb von vierzehn Tagen durch einen Parlamentsakt in Gemeineigentum umgewandelt werden. In Frankreich könne dies durch die Verschuldung der Landeigentümer und ihre Steuerlasten zustande gebracht werden.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

20
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über das Erbrecht]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 20. Juli 1869]

Bürger Marx eröffnete die Diskussion über die Frage des Erbrechts. Er sagte, diese Frage sei von der Allianz der sozialistischen Demokratie in Genf aufgeworfen worden, und der Rat habe einer Diskussion darüber zugestimmt. Die Allianz von Genf habe in erster Linie die völlige Abschaffung des Erbrechts verlangt.

Es gebe zwei Formen der Erbschaft. Das testamentarische Recht oder die Erbschaft durch Testamentsverfügung sei aus Rom gekommen und sei charakteristisch für Rom gewesen. Das Oberhaupt der römischen Familie habe absolute Macht über alles ausgeübt, was zu seinem Haushalt gehörte. Das Oberhaupt der römischen Familie dürfe man nicht mit dem Familienoberhaupt von heute vergleichen. Zum römischen Haushalt hätten Sklaven und Klienten gehört, deren Angelegenheiten und Interessen das Familienoberhaupt wahrzunehmen und in der Öffentlichkeit zu vertreten verpflichtet gewesen sei. Es habe der Aberglaube bestanden, daß nach dem Tode des Familienoberhaupts sein Geist als Wächter im Haus verbleibe, um darauf zu achten, daß alles seinen rechten Gang gehe, oder die Lebenden zu quälen, wenn die Dinge schlecht gehandhabt würden. In den frühen Zeiten Roms hätten die Menschen diesem Hausgott Opfer gebracht, selbst Blutfeste seien ihm zu Ehren und zur Besänftigung seines Zornes gefeiert worden. Nach und nach sei es Brauch geworden, mit diesem Geist durch einen Testamenterben einen Vergleich einzugehen. Das sei die römische Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele gewesen. In der Person dieses Erben sei der Wille des Verstorbenen in einem Testament verewigt worden, doch dieses Testament habe dem Nachfolger nicht unbedingt ein Vermögen eingebracht, sondern ihn nur verpflichtet, den Willen des Verstorbenen zu erfüllen, was als religiöse Pflicht betrachtet worden sei. Im Laufe der Zeit hätten diese Erben durch Testamentsverfügung auch Anspruch auf das Vermögen erhoben, doch selbst zur Zeit des Kaiserreichs sei ihnen durch Gesetz nie mehr als ein Viertel zugesprochen worden. Dieser heidnische Aberglaube sei auf die christlichen Länder übertragen worden und habe die Grundlage für das testamentarische Recht gebildet, wie es gegenwärtig in England und den Vereinigten Staaten existiere.

Das deutsche Erbrecht sei das untestamentarische Recht, das Familienerbrecht gewesen, welches das Vermögen als eine Art Mitbesitz der Familienmitglieder betrachtet habe, dessen Verwalter das Familienoberhaupt gewesen sei. Nach dessen Tode sei der Besitz auf alle Kinder übergegangen. Die Deutschen hätten kein anderes Erbrecht gekannt.

Die römische Kirche habe das römische Recht eingeführt, und das Feudalsystem habe das deutsche Recht verfälscht, da Feudaleigentum, mit Militärdienst belastet, nicht geteilt werden konnte. Die Französische Revolution sei zum deutschen Erbrecht zurückgekehrt. In England existierten alle möglichen unsinnigen Bestimmungen; die Einzelperson habe das unumschränkte Recht, über ihr Eigentum zu verfügen, selbst ihre eigenen Nachkommen zu enterben, und dadurch könne sie über ihr Vermögen noch lange nach ihrem Ableben verfügen. Sich mit diesem testamentarischen Recht zu befassen, könne man der Bourgeoisie überlassen, da es gegen den Adel ausgenutzt werden könne. In Preußen könne man nur einen kleinen Teil seines Eigentums testamentarisch vererben.

Für die Arbeiterklasse, die nichts zu vererben habe, sei diese Frage nicht von Interesse.

Die Allianz der sozialistischen Demokratie wolle die soziale Revolution mit der Abschaffung des Erbrechts beginnen. Es erhebe sich die Frage: Wäre diese Politik richtig?

Der Vorschlag sei nicht neu. Saint-Simon habe dies bereits 1830 vorgeschlagen.

Als ökonomische Maßnahme wäre dies nutzlos. Das würde eine derartige Verärgerung hervorrufen, daß es bestimmt auf einen schier unüberwindlichen Widerstand stoßen würde, der unvermeidlich zur Reaktion führe. Sollte diese Forderung zur Zeit einer Revolution proklamiert werden, so glaube er nicht, daß der Stand des allgemeinen Bewußtseins die Unterstützung dieser Forderung garantieren könne. Wenn die Arbeiterklasse andererseits genügend Macht besäße, das Erbrecht abzuschaffen, dann wäre sie auch stark genug, zur Expropriation überzugehen, was ein viel einfacherer und wirksamerer Schritt wäre.

Die Abschaffung des Erbrechts in bezug auf Grund und Boden in England würde die Erbfunktionen berühren, die mit dem Grund und Boden verbunden sind, mit dem Oberhaus etc. etc., 15 000 Lords und 15 000 Ladies müßten sterben, ehe sich ein Ergebnis zeigen würde. Wenn dagegen ein Parlament aus Arbeitern verfügte, die Pacht an das Schatzamt statt an den Grundherrn zu zahlen, erhielte die Regierung sofort und ohne soziale Erschütterung die Geldmittel, während durch die Abschaffung des Erbrechts alles verwirrt und nichts gewonnen würde.

Unsere Bemühungen müßten darauf gerichtet sein, keine Produktionsinstrumente in Privateigentum zu belassen. Das Privateigentum an den Produktionsinstrumenten sei eine Fiktion, da die Eigentümer sie nicht selbst benutzen könnten; sie gebe den Eigentümern nur die Macht über die Produktionsmittel, durch die sie andere Menschen zwingen, für sie zu arbeiten. In einem halbbarbarischen Zustand mag dies notwendig gewesen sein, doch heute nicht mehr. Alle Produktionsmittel müßten vergesellschaftet werden, damit jedem das Recht und die Möglichkeit gesichert sei, seine Arbeitskraft anzuwenden. Hätten wir einen solchen Zustand, wäre das Erbrecht nutzlos. Solange das nicht der Fall sei, könne das Familienerbrecht nicht abgeschafft werden. Wenn die Menschen für ihre Kinder sparen, so sei es ihr Hauptziel, diesen die Subsistenzmittel zu sichern. Wenn die Kinder nach dem Tode der Eltern versorgt wären, würden die Eltern sich nicht darum sorgen, ihnen die Mittel zum Leben zu hinterlassen; aber solange dies nicht der Fall sei, würde die Abschaffung des Erbrechts nur zu Schwierigkeiten führen, sie würde die Menschen reizen und ängstigen und keinen Nutzen bringen. Statt des Beginns einer sozialen Revolution könne sie nur deren Ende sein. Zu Anfang müßten die Bedingungen für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel geschaffen werden.

Das testamentarische Erbrecht sei der Bourgeoisie verhaßt, da es dem Staat die Möglichkeit gebe, sich jederzeit in die Privatangelegenheiten einzumischen. Wir haben bereits eine Erbschaftssteuer, sie müßte nur erhöht und zu einer progressiven Steuer gemacht werden wie die Einkommensteuer, wobei wir die kleineren Beträge, beispielsweise von 50 Pfd. St., nicht besteuerten.

Nur in diesem Sinne betreffe diese Frage die Arbeiterklasse.

Alles, was mit der bestehenden Ordnung zusammenhänge, müsse verändert werden, doch schaffte man die Testamente ab, so würden sie durch Schenkungen zu Lebzeiten umgangen werden. Folglich wäre es besser, sie unter gewissen Bedingungen zu dulden, als die Dinge noch schlimmer zu machen. Erst müsse man in der Lage sein, die bestehende Ordnung zu verändern, dann werde das Erbrecht von selbst verschwinden.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

21
[Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx
über die allgemeine Bildung in der modernen Gesellschaft ]

[Aus den Protokollen der Sitzungen des Generalrats
vom 10. und 17. August 1869]

I

Bürger Marx sagte, mit dieser Frage sei eine Schwierigkeit besonderer Art verbunden. Einerseits sei eine Änderung der sozialen Bedingungen erforderlich, um ein entsprechendes Bildungssystem zu schaffen, und andererseits sei ein entsprechendes Bildungssystem erforderlich, um die sozialen Bedingungen ändern zu können. Deshalb müßten wir von der bestehenden Lage ausgehen.

Auf den Kongressen sei die Frage erörtert worden, ob die Bildung staatlich oder privat sein solle. Staatliche Bildung werde als Bildung unter Kontrolle der Regierung betrachtet, doch dies sei nicht unbedingt notwendig. In Massachusetts sei jede Munizipalität verpflichtet, allen Kindern einen Elementarschulunterricht zu sichern. In Städten mit mehr als 5000 Einwohnern müßten mittlere Schulen für polytechnische Bildung unterhalten werden, in größeren Städten höhere Schulen. Der Staat steuere etwas zu, doch nicht viel. In Massachusetts werden 1/8 der lokalen Steuern für die Bildung ausgegeben, in New York 1/5. Die Schulkomitees, die die Schulen verwalten, seien lokale Organisationen; sie ernennen die Lehrer und wählen die Lehrbücher aus. Der Mangel des amerikanischen Systems bestehe darin, daß es zu lokalen Charakter trage und die Bildung vom kulturellen Niveau in jedem Distrikt abhängig sei. Deshalb sei die Forderung nach zentraler Kontrolle erhoben worden. Die Besteuerung zum Nutzen der Schulen sei obligatorisch, der Schulbesuch der Kinder jedoch nicht. Das Eigentum werde besteuert und die Menschen, die die Steuern bezahlen, wünschten, daß das Geld nutzbringend angewandt werde.

Die Bildung könne staatlich sein, ohne unter der Kontrolle der Regierung zu stehen. Die Regierung könne Inspektoren ernennen, deren Pflicht es wäre, auf die Einhaltung der Gesetze zu achten – ohne daß sie das Recht hätten, sich in die Bildung selbst einzumischen –, so wie die Fabrikinspektoren auf die Einhaltung der Fabrikgesetze achteten.

Der Kongreß könne ohne Zögern beschließen, daß Schulbildung obligatorisch sein müsse. Was den Umstand betreffe, daß Kinder nicht zur Arbeit gedrungen werden dürften, so sei eines sicher: dies würde nicht zu Lohnsenkungen führen, und die Menschen würden sich daran gewöhnen.

Die Proudhonisten behaupteten, daß unentgeltliche Bildung ein Widersinn sei, da der Staat sie bezahlen müsse. Selbstverständlich müsse sie jemand bezahlen, aber nicht diejenigen, die dazu am wenigsten in der Lage seien. Der Redner war nicht für unentgeltliche höhere Bildung.

Was das preußische Bildungssystem betreffe, über das so viel gesprochen worden sei, so wolle er abschließend bemerken, daß dieses System nur das Ziel verfolge, gute Soldaten heranzubilden.

II

Bürger Marx sagte, daß wir uns in bestimmten Punkten einig seien.

Die Diskussion habe mit dem Vorschlag begonnen, die Genfer Resolution zu bestätigen, welche fordere, die geistige Erziehung mit körperlicher Arbeit, gymnastischer Übung und polytechnischer Ausbildung zu verbinden. Dagegen seien keine Einwände erhoben worden.

Die polytechnische Ausbildung, die von proletarischen Schriftstellern befürwortet werde, solle die Mängel ausgleichen, die aus der Arbeitsteilung entspringen, welche die Lehrlinge daran hindere, sich gründliche Kenntnis ihres Berufs anzueignen. Dabei sei man immer davon ausgegangen, was die Bourgeoisie unter polytechnischer Bildung verstehe und habe das dementsprechend falsch ausgelegt.

Was den Vorschlag Frau Laws wegen des Kirchenbudgets anbelange, so wäre es politisch zu begrüßen, wenn sich der Kongreß gegen die Kirche ausspräche.

Bürger Milners Vorschlag sei nicht geeignet, daß man ihn in Verbindung mit der Schulfrage diskutierte; diese Erziehung müßten die Jugendlichen von den Erwachsenen im täglichen Lebenskampf erhalten. Der Redner würde Warren nicht als eine Bibel akzeptieren, dies sei eine Frage, in der man nur schwer eine einheitliche Meinung erzielen könnte. Es ließe sich hinzufügen, daß eine solche Ausbildung nicht die Schule vermitteln könne, sie müsse vielmehr von den Erwachsenen gegeben werden.

Weder in die Elementar- noch in die höheren Schulen dürfe man Lehrfächer einführen, die eine Partei- oder Klassenauslegung zuließen. Nur Fächer wie Naturwissenschaften, Grammatik usw. könnten in den Schulen gelehrt werden. Die grammatikalischen Regeln zum Beispiel veränderten sich nicht, gleich, ob sie von einem religiösen Tory oder einem Freidenker erklärt würden. Fächer, die unterschiedliche Schlußfolgerungen zuließen, sollten nicht im Schulunterricht gelehrt werden; damit könnten sich die Erwachsenen unter der Anleitung solcher Lehrer wie Frau Law beschäftigen, die Vorlesungen über Religion halte.1

Der Brüsseler Kongreß habe eine Resolution über die Abschaffung der Armee angenommen. Es wäre nicht zweckmäßig, diese noch einmal zu diskutieren.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

22
Adresse der Land and Labour League
an die Arbeiter und Arbeiterinnen
von Großbritannien und Irland

Arbeiter!

Die unbegründeten Hoffnungen, die man den schwer arbeitenden und leidenden Millionen Englands vor 30 Jahren gemacht hat, haben sich nicht erfüllt. Man hatte ihnen gesagt, daß die Abschaffung der Zollbeschränkungen das Los der Armen der Arbeiterklasse erleichtern werde; wenn sie dieser Schritt nicht glücklich und zufrieden machte, so werde er doch zumindest die Hungersnot für immer aus ihrer Mitte verbannen.

Es begann eine mächtige Bewegung für den großen Laib Brot; die Landlords wurden wütend, die Geldmänner konfus, die Fabrikherren frohlockten – ihr Wille geschah: das Schutzzollsystem erhielt den coup de grâce2. Eine Periode unglaublicher Prosperität folgte. Zuerst drohten die Tories, diese Politik zu ändern. Als sie jedoch 1852 die Ministersessel bestiegen, schlossen sie sich, statt ihre Drohung auszuführen, dem Lobgesang der Anhänger der unbeschränkten Konkurrenz an. Sie, die auf einen finanziellen Verlust gefaßt waren, stellten zu ihrem größten Erstaunen fest, daß die Rentrollen mehr als 2 000 000 Pfd.St. jährlich stiegen. Noch niemals in der Geschichte der Menschheit gab es solch großen Reichtum – d.h. solch große Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen –, der von so wenigen Händen und in solch kurzer Zeit erzeugt wurde, wie seit der Abschaffung der Korngesetze. Im Verlauf von 20 Jahren stieg der deklarierte Wert des jährlichen Exports britischer und irischer landwirtschaftlicher Produkte und Industrieerzeugnisse – der Früchte eurer eigenen Arbeit – von 60 000 000 Pfd.St. auf 188 900 000 Pfd.St. Innerhalb von 20 Jahren erhöhte sich das steuerpflichtige Einkommen der Lords und Ladies des britischen Grund und Bodens, wie sie selbst eingestehen, von 98 000 000 Pfd.St. im Jahr auf 140 000 000 Pfd.St.; das der großen Fabrikanten und Industrieherren von 60 000 000 Pfd.St. im Jahr auf 110 000 000 Pfd.St. Konnten menschliche Anstrengungen mehr erreichen?

Oh, es gibt Stiefkinder in der britischen Familie. Kein Schatzkanzler hat bisher das Geheimnis enthüllt, wie diese 140 000 000 Pfd.St. unter den Landmagnaten aufgeteilt sind, doch dafür wissen wir alles über die Industrieherren. Die Zahl der Erfolgreichsten unter ihnen stieg von 16 im Jahre 1846 auf 133 im Jahre 1866. Das jährliche Durchschnittseinkommen jedes einzelnen von ihnen stieg von 74 300 Pfd.St. auf 100 600 Pfd.St. In 20 Jahren eigneten sie sich ein Viertel der Zunahme des Einkommens an. Die nächste Kategorie stieg von 319 auf 959 Personen; das jährliche Durchschnittseinkommen jedes einzelnen von ihnen stieg von 17 700 Pfd.St. auf 19 300 Pfd.St.; sie eigneten sich ein weiteres Viertel an. In die restliche Hälfte teilten sich 346 048 ehrbare Bourgeois, deren Jahreseinkommen zwischen 100 und 10 000 Pfd.St. liegt. Die Millionen Arbeitenden aber, die Erzeuger dieses Reichtums – Britanniens Aschenbrödel – erhielten Schläge und Fußtritte statt Halbpennystücke.

Im Jahre 1864 stieg das steuerpflichtige Einkommen unter der Rubrik D um 9 200 000 Pfd.St. Von dieser Zunahme schluckte die Hauptstadt mit weniger als einem Achtel der Bevölkerung 4 266 000 Pfd.St., d.h. fast die Hälfte. 3 123 000 Pfd.St. davon, mehr als ein Drittel der Zunahme ganz Großbritanniens, schluckte die Londoner City, d.h. die Privilegierten, die 1/179 der britischen Bevölkerung darstellen: Mile End und Tower mit einer Arbeiterbevölkerung, die das Vierfache davon beträgt, erhielten 175 000 Pfd.St. Die Bürger der City ersticken in Gold; die Hausbesitzer in den Tower Hamlets werden von Armensteuern erdrückt. Die City lehnt natürlich eine Zentralisierung der Armensteuern ab, weil sie ausschließlich vom Prinzip der lokalen Selbstverwaltung ausgeht.

Im Laufe von 10 Jahren bis einschließlich 1861 stieg die Zahl der in der Baumwollindustrie beschäftigten Arbeiter um 12%; ihre Produktion stieg um 103%. Die Zahl der Arbeiter in den Eisenbergwerken stieg um 6%, die Produktion der Bergwerke um 37%. Zwanzigtausend Bergarbeiter arbeiteten für zehn Bergwerksbesitzer. Während dieser zehn Jahre sank die Zahl der Landarbeiter von England und Wales um 88 147, und doch wurden in diesem Zeitraum viele Hunderttausende Acres Gemeindeland eingehegt und in Privateigentum verwandelt, um die Güter der Aristokratie zu vergrößern, und dieser Prozeß dauert noch an.

In zwölf Jahren stieg der Pachtzins, nach dem die Armen in England und Wales laut Gesetz besteuert werden, von 86 700 000 Pfd.St. auf 118 300 000 Pfd.St.; die Zahl der erwachsenen, arbeitsfähigen Pauper stieg von 144 500 auf 185 600.

Das sind keine Phantasiegemälde, die ihren Ursprung in der erregten Einbildungskraft unverbesserlicher Hitzköpfe haben; es sind die Eingeständnisse der Landlords und Geldmänner, die in ihren eigenen Blaubüchern enthalten sind. Einer ihrer Experten erklärte kürzlich im Oberhaus, daß die besitzenden Klassen, die herrlich und in Freuden leben, vom Produkt eurer Arbeit jährlich etwa 150 000 000 Pfd.St. für sich anlegen können. Wenige Wochen später berichtete der Präsident der Königlichen chirurgischen Fakultät einer Jury, welche die Ursache für den vorzeitigen Tod von acht Menschen feststellen sollte, was er in dem schmutzigen Armenhaus von St.Pancras gesehen hat.

Die Zahl der Privilegierten in Irland hat sich ebenfalls vergrößert, und ihr Einkommen ist gestiegen, während ein Sechstel seiner schwer arbeitenden Söhne und Töchter durch Hunger und Krankheiten, die mit diesen einhergehen, umgekommen ist, und ein Drittel der Übriggebliebenen von verbrecherischen Usurpatoren emittiert, vertrieben und aus dem Vaterland verbannt wurde.

Diese Periode beispielloser industrieller Prosperität hat Tausende unserer Arbeitskameraden – ehrliche, unverdorbene, hart arbeitende Männer und Frauen – ins Arbeitshaus gebracht; das Roastbeef ihrer Träume hat sich in Armensuppe verwandelt. Hunderttausende, Männer, Frauen und Kinder, irren in dem Lande, in dem sie geboren wurden, umher – obdachlose, erniedrigte Verstoßene –, überfüllen die Städte und bevölkern die Landstraßen auf der Suche nach Arbeit, um Nahrung und Unterkunft zu erhalten, ohne daß sie sie finden können. Weitere Tausende, die mehr waghalsig als ehrlich sind, verbüßen Gefängnisstrafen für kleine Diebstähle, weil sie die Gefängnisvorschriften dem Aufenthalt im Arbeitshaus vorziehen, während die großen Schwindler frei umherlaufen und verbrecherische Landlords auf den Sitzungen der Friedensgerichte den Vorsitz führen, um Gericht zu halten. Tausende junger und gesunder Menschen überqueren die Meere, entfliehen ihrem heimatlichen Herd wie einer Seuche, und die Alten und Schwachen kommen am Wege vor Hunger und Kälte um. Die Spitale und Krankenhäuser sind überfüllt mit Fieberkranken und Menschen, die vor Hunger umfallen: der Hungertod ist zu einem gewöhnlichen, alltäglichen Ereignis geworden.

Alle sind sich darüber einig, daß die Qual der Armen der Arbeiterklasse niemals größer war als jetzt und die Not noch nie so weit verbreitet; noch nie waren jedoch auch die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen in derartigem Überfluß vorhanden. Das beweist vor allem, daß das moralische Prinzip jeder Regierungsgewalt, wonach das Wohlergehen der ganzen Gesellschaft höchstes Gesetz ist und Zweck und Ziel jeder Zivilgesetzgebung sein muß, völlig mißachtet worden ist. Diejenigen, welche über die Geschicke der Nation bestimmen, haben ihre höchste Pflicht entweder leichtfertig vernachlässigt, indem sie den besonderen Interessen der Reichen dienten, um sie noch reicher zu machen, oder waren auf Grund ihrer sozialen Stellung, ihrer Erziehung und ihrer Klassenvorurteile unfähig, ihre Pflicht gegenüber der ganzen Gesellschaft zu erfüllen oder die notwendigen Maßnahmen durchzuführen; in beiden Fällen haben sie das in sie gesetzte Vertrauen mißbraucht.

Klassenherrschaft ist nur dann möglich, wenn die Unterdrückten vor äußerster Not geschützt sind. Den herrschenden Klassen ist es nicht gelungen, den industriellen Lohnarbeiter in seinen besten Jahren vor Not und Hungertod zu schützen. Ihre Maßnahmen sind vollständig gescheitert, ihre Versprechungen nicht erfüllt worden. Sie versprachen Einschränkung der öffentlichen Ausgaben, statt dessen haben sie diese ungeheuer erhöht. Sie versprachen, die Steuerlast von euren Schultern zu nehmen, doch die Reichen zahlen nur einen Bruchteil der erhöhten Ausgaben; der Rest wird von euren Bedarfsartikeln erhoben – selbst eure Pfandscheine werden besteuert –, um ein stehendes Heer zu unterhalten, das aus euren eigenen Reihen gebildet wird, um euch niederzuschießen, wenn ihr Zeichen der Unzufriedenheit zeigt. Sie versprachen, den Pauperismus auf ein Minimum zu reduzieren, doch sie haben Armut und Not zum gewohnten Los eures Lebens gemacht – der große Laib Brot ist zu einem Nichts zusammengeschrumpft. Jedes Mittel, das sie anwandten, hat das Elend nur noch verschlimmert, und so haben sie denn nichts mehr vorzuschlagen – ihre Herrschaft ist dem Untergang geweiht. Sie fortzusetzen hieße, alle gemeinsam ins Verderben zu führen. Es gibt nur ein einziges Mittel. Helft euch selbst! Beschließt, daß ihr diesen abscheulichen Zustand nicht länger dulden werdet; handelt nach eurem Ermessen, und ihr werdet diesem Zustand ein Ende bereiten.

Vor einigen Wochen hat eine Gruppe Londoner Arbeiter diese Frage beraten. Die Arbeiter kamen zu dem Schluß, daß die jetzige ökonomische Basis der Gesellschaft die Wurzel allen Übels sei, daß nichts außer einer Umwandlung der bestehenden sozialen und politischen Ordnung helfen könne und daß eine solche Umwandlung nur von den Millionen Arbeitenden selbst herbeigeführt werden könne. Sie legten ihre Schlußfolgerungen in einer Reihe von Resolutionen nieder und beriefen eine Konferenz von Arbeitervertretern ein, auf der die Resolutionen vorgelegt wurden. In drei aufeinanderfolgenden Versammlungen wurden diese Resolutionen diskutiert und einstimmig angenommen. Um diese durchzuführen, wurde eine neue Arbeiterorganisation mit dem Namen Land and Labour League gegründet. Ein Exekutivkomitee von mehr als 40 bekannten Arbeitervertretern ward ernannt, um ein Prinzipienprogramm auf der Grundlage der ersten, von der Konferenz angenommenen Resolutionen auszuarbeiten, das als ein Aktionsprogramm gedacht ist, mit dem eine radikale Veränderung herbeigeführt werden kann.

Nach reiflicher Überlegung stimmte das Komitee Folgendem zu:

1. Nationalisierung des Bodens.

2. Kolonisierung im Innern.

3. Allgemeine, weltliche, unentgeltliche und obligatorische Bildung.

4. Aufhebung der privaten Emissionsbanken. Allein der Staat darf Banknoten ausgeben.

5. Ersetzung aller Steuern durch eine direkte und progressive Vermögenssteuer.

6. Liquidierung der Staatsschuld.

7. Abschaffung des stehenden Heeres.

8. Verkürzung der Arbeitszeit.

9. Gleiches Wahlrecht bei Bezahlung der Abgeordneten.

Der Erfolg unserer Anstrengungen wird von dem Druck abhängen, der auf die Machthaber ausgeübt wird; er erfordert zahlenmäßiges Übergewicht, Zusammenschluß, Organisation und Kombination der Aktionen. Deshalb rufen wir euch auf, euch zusammenzuschließen, zu organisieren und eure Aktionen zu koordinieren und in ganz Irland, Schottland, Wales und England in den Ruf einzustimmen: „Das Land dem Volke!“ – dem rechtmäßigen Erben der Gaben der Natur. In einem rationellen Zustand der Gesellschaft kann der Grund und Boden, die Quelle des Lebens, nicht der Kontrolle und den Launen und Kapricen einiger weniger Privatpersonen überlassen werden. Die einzige Macht, die den Grund und Boden zum Nutzen der ganzen Gesellschaft verwalten kann, ist eine Regierung, die vom ganzen Volke gewählt ist und sein Vertrauen genießt.

Besteht darauf, daß der Staat das unbebaute Land zurückfordert – womit er den Grundstein zur Nationalisierung des Bodens legen würde – und darauf die Arbeitslosen ansiedelt. Nicht ein Acre Gemeindeland darf mehr für die Privatzwecke der Nichtproduzenten eingehegt werden. Zwingt die Regierung, die Armee bis zu ihrer endgültigen Auflösung als Pioniertruppe einzusetzen, um das brachliegende Land von Unkraut zu säubern, den Boden zu dränieren, planieren und kultivieren, statt Lager zu errichten, welche die Vernichtung des Lebens vorbereiten. Wenn grüne Felder und Gemüsegärten mit dem edlen Sport der Jagd unvereinbar sind, so mögen die Jäger auswandern.

Macht die neun Punkte der Liga zum Programm der Arbeiter, zum Prüfstein für die Parlamentskandidaten, und meint ihr, diese entsprächen nicht ihrer Bestimmung, so weist sie zurück wie eine falsche Münze, denn wer nicht für euch ist, ist gegen euch.

Man betrügt euch um die Früchte eurer Arbeit durch Gesetze über den Grund und Boden, durch Finanzgesetze und alle möglichen anderen Gesetze. Außer dem armseligen Hungerlohn, der euch bleibt, habt ihr die Zinsen für eine Schuld zu zahlen, die gemacht wurde, um eure Vorfahren in Unterwerfung zu halten; ihr habt ein stehendes Heer zu unterhalten, das in bezug auf eure Generation den gleichen Zielen dient; ihr seid, wenn ihr Arbeit habt, durch Überarbeitung systematisch erschöpft, und immer seid ihr unterernährt. Nur eine Reihe solcher radikaler Reformen, wie sie unser Programm vorsieht, wird euch aus der hoffnungslosen Verzweiflung herausführen, in der ihr euch jetzt befindet. Die Schwierigkeiten können durch die Einheit des Ziels und Handelns überwunden werden. Wir sind viele und unsere Gegner wenige. Darum, Arbeiter und Arbeiterinnen aller Glaubensbekenntnisse und Berufe, fordert einmütig eure Rechte, schließt euch zusammen und vereinigt eure Kräfte unter dem Banner der Land and Labour League, um eure eigene Befreiung zu erobern!

John Weston, Schatzmeister
Martin J. Boon,
J. Georg Eccarius,                 } Sekretäre

Nach der Broschüre.
Aus dem Englischen.
Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag 1961, S. 557-569.