12
[Aus einem Brief von Jenny Marx an Johann Philipp Becker um den 5.Oktober 1867]

[„Der Vorbote“ Nr. 10, Oktober 1867]

Wir schließen hier den Auszug des Briefes einer Freundin in London an, worin unter anderm Bezug auf den Arbeiterkongreß in Lausanne und Friedenskongreß in Genf und auf das neueste Werk von Marx genommen ist:

„... Sie glauben nicht, welch großes Aufsehen der Lausanner Kongreß hier in der ganzen Presse gemacht hat. Nachdem die ‚Times‘ den Ton angegeben, täglich Korrespondenzen gebracht hatte, hielten es auch die andern Blätter nicht mehr unter ihrer Würde, der Arbeiterfrage nicht nur Notizen, sondern sogar lange Leitartikel zu widmen. Nicht nur in allen täglichen, sondern auch in sämtlichen Wochenblättern war der Kongreß besprochen. Daß darunter ihn viele vornehm und ironisch behandelten, ist ganz natürlich. Hat nicht jede Sache neben der erhabenen auch ihre komische Seite, und warum sollte unser guter Arbeiterkongreß neben seinen plaudersüchtigen Franzosen ganz frei davon sein? Aber trotz alledem und alledem wurde er im ganzen sehr anständig behandelt und au sérieux1 genommen. Selbst der ‚Manchester Examiner‘, das eigentliche Organ John Brights und der Manchester schule, hat ihn in einem sehr guten Leitartikel als wichtig und epochemachend hingestellt. Wurde er mit seinem Stiefbruder, dem Friedenskongreß, verglichen, so fiel der Vergleich stets zum Vorteil des ältern Bruders aus, und man sah in dem einen drohende Schicksalstragödie und in dem andern nichts als Farce und Burleske.

Wenn Sie schon in den Besitz des Buches von Karl Marx gekommen sind, so rate ich Ihnen, sofern Sie sich nicht schon, wie ich, durch die dialektischen Spitzfindigkeiten der ersten Abschnitte durchgearbeitet haben, jene über ursprüngliche Akkumulation des Kapitals und moderne Kolonisationstheorie zuerst zu lesen. Ich bin überzeugt, daß Sie diesen Teil, wie ich selbst, mit größter Befriedigung aufnehmen werden. Natürlich hat Marx keine spezifischen Heilmittel – wonach die Bourgeoiswelt, die sich jetzt auch sozialistisch nennt, so gewaltig schreit – parat, keine Pillen, keine Salben, keine Scharpie, um die klaffenden, blutenden Wunden unserer Gesellschaft zu heilen; aber es scheint mir, daß er, nach der naturhistorischen Entwicklung des Entstehungsprozesses moderner Gesellschaft, die praktischen Resultate und Nutzanwendungen bis zu den kühnsten Konsequenzen gezogen hat und daß es keine Kleinigkeit war, den erstaunten Philister durch statistische Tatsachen und dialektische Manöver auf die schwindelnde Höhe folgender Sätze zu bringen: ‚Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht. Sie ist selbst eine ökonomische Potenz ... Manch Kapital, das heute in den Vereinigten Staaten ohne Geburtsschein auftritt, ist gestern in England kapitalisiertes Kinderblut ... Wenn das Geld „mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt“, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend.‘ Oder der ganze Passus von: ‚Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt usw.2‘ bis zum Schluß.

Ich muß aufrichtig gestehen, daß mich dieser einfache Pathos der Sache ergriffen und daß mir die Geschichte klar wie Sonnenschein.

Geschrieben um den 5. Oktober 1867.

13
[Aufzeichnung eines Vortrages von Karl Marx
zur irischen Frage,
gehalten im Deutschen Bildungsverein für Arbeiter
in London am 16. Dezember 1867]

Am 16. Dezember hielt Karl Marx eine Vorlesung im Londoner Arbeiterbildungsverein über die Zustände Irlands, aus welcher hervorgeht, daß alle Versuche, welche die englische Regierung in früheren Jahrhunderten gemacht, die irische Bevölkerung zu englischen, fruchtlos waren. Die bis zur Zeit der Reformation eingewanderten Engländer, einschließlich der Aristokraten, wurden durch die irischen Weiber in Irländer verwandelt, und ihre Nachkommen kämpften gegen England. Die Grausamkeiten der Kriegsführung gegen die Irländer unter der Königin Elisabeth, Vernichtung der Saaten, Versetzung der Bevölkerung aus einer Gegend in die andere, um Platz für englische Kolonisten zu finden, änderten nichts an der Sache. Zu jener Zeit erhielten gentlemen3 und merchant adventurers4 große Stücken Land unter der Bedingung, sie mit Engländern zu kolonisieren. Zur Zeit von Cromwell fochten die Nachkommen dieser Kolonisten mit den Iren gegen die Engländer. Cromwell verkaufte viele derselben als Sklaven nach Westindien. Unter der Restauration wurde Irland vielfach begünstigt. Unter Wilhelm III. kam eine Klasse an die Herrschaft, die nur Geld machen wollte, und um die Irländer zu zwingen, ihre Rohprodukte um jeden Preis an England zu verkaufen, wurde die Industrie Irlands unterdrückt. Mit Hülfe des protestantischen Strafgesetzes erhielten die neuen Aristokraten freies Spiel unter der Königin Anna. Das irische Parlament war ein Unterdrückungsmittel. Wer katholisch war, konnte kein öffentliches Amt bekleiden, konnte kein Landeigentümer sein, durfte kein Testament machen, konnte keine Erbschaft erheben; katholischer Bischof zu sein, war Hochverrat. Alles dieses waren Mittel, die Irländer ihres Landes zu berauben; dennoch ist mehr als die Hälfte der englischen Nachkommenschaft in Ulster katholisch geblieben. Das Volk wurde in die Arme der katholischen Geistlichkeit getrieben, sie erhielt dadurch ihre Macht. Alles, was der englischen Regierung gelungen, ist, eine Aristokratie in Irland zu pflanzen. Die von den Engländern erbauten Städte sind irisch geworden. Daher gibt es unter den Feniern so viele englische Namen.

Zur Zeit des amerikanischen Befreiungskriegs wurden die Zügel etwas nachgelassen. Weitere Konzessionen wurden zur Zeit der Französischen Revolution nötig. Irland erhob sich so rasch, daß seine Bewohner die Engländer zu überflügeln drohten. Die englische Regierung trieb sie zur Rebellion, und durch Bestechung erwirkte [sie] die Union. Durch die Union erhielt die wiederauflebende irische Industrie den Todesstoß. Meagher sagte bei einer Gelegenheit, alle irischen Industriezweige sind zerstört, nur das Fabrizieren von Särgen ist uns geblieben. Land zu haben wurde Lebensbedingung, die großen Grundeigentümer verpachteten ihre Ländereien an Spekulanten, es ging durch vier oder fünf Abstufungen von Pachtkontrakten, bis es an den Bauer kam, wodurch die Preise unverhältnismäßig hoch wurden. Die Ackerbauvölkerung lebte von Kartoffeln und Wasser; Weizen und Fleisch wurde nach England geschickt; die Rente wurde in London, in Paris und in Florenz verzehrt. Im Jahre 1836 wurden 7 000 000 Pfd. St. an abwesende Grundeigentümer ins Ausland geschickt. Mit den Produkten und der Rente wurde auch der Dünger exportiert, das Land wurde erschöpft. Partielle Hungersnot fiel häufig vor, aber durch die Kartoffelkrankheit von 1846 kam es zu einer allgemeinen Hungersnot. 1 000 000 Menschen verhungerten. Die Kartoffelkrankheit war eine Folge der Erschöpfung des Bodens, ein Produkt der englischen Herrschaft.

Durch die Abschaffung der Korngesetze verlor Irland das Monopol des englischen Markts, die alte Pacht konnte nicht länger bezahlt werden. Hohe Fleischpreise und der Bankrott der noch übriggebliebenen kleinen Grundeigentümer haben dazu beigetragen, daß die kleinen Bauern vertrieben und ihr Land in Schafweiden verwandelt wird. Seit 1860 sind über eine halbe Million Ackerland außer Bebauung gesetzt. Der Ertrag per Acker hat sich vermindert: Hafer 16 Prozent, Flachs 36 Prozent, Kartoffeln 50 Prozent. Jetzt wird nur Hafer für den englischen Markt gebaut, und Weizen wird eingeführt.

Mit der Erschöpfung des Bodens hat sich die Bevölkerung physisch verschlechtert. Die Lahmen, die Blinden, die Taubstummen und die Geisteskranken haben sich bei abnehmender Bevölkerung absolut vermehrt. Über 1 100 000 Menschen sind durch 9 600 000 Schafe ersetzt worden. In Europa ist etwas Ähnliches unerhört. Die Russen ersetzen die transportierten Polen durch Russen, nicht durch Schafe. Nur unter den Mongolen in China wurde die Frage einst beraten, die Städte abzureißen, um Platz für Schafe zu machen. Die irische Frage ist daher keine einfache Nationalitätsfrage, sondern eine Land- und Existenzfrage. Untergang oder Revolution ist das Losungswort; die Irländer sind alle überzeugt, daß, wenn etwas geschehen soll, so muß es schnell geschehen. Die Engländer sollten Trennung verlangen und den Irländern allein überlassen, die Frage des Grundeigentums zu lösen. Alles andere ist nutzlos. Geschieht es nicht bald, so wird die irische Emigration einen Krieg mit Amerika herbeiführen. Die Beherrschung Irlands ist heute das Pachteintreiben für die englische Aristokratie.

Nach der Handschrift von Eccarius.

14
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über die Folgen der Anwendung von Maschinen
durch die Kapitalisten]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 28. Juli 1868]

Bürger Marx eröffnete die Diskussion zu dem Thema „Die Folgen der Anwendung von Maschinen durch die Kapitalisten“. Er sagte, am meisten setze uns in Erstaunen, daß das Ergebnis der Anwendung von Maschinen allem widersprochen habe, was für unvermeidlich gehalten wurde. Statt der erwarteten Verkürzung der Arbeitszeit habe es eine Verlängerung des Arbeitstages auf sechzehn bis achtzehn Stunden gegeben. Früher habe der normale Arbeitstag zehn Stunden betragen, in den letzten hundert Jahren sei die Arbeitszeit sowohl in England als auch auf dem Kontinent durch Gesetz verlängert worden. Die ganze Fabrikgesetzgebung der letzten hundert Jahre drehe sich darum, die Arbeiter mit Hilfe der Gesetze zu zwingen, länger zu arbeiten. Erst 1833 sei die Arbeitszeit für Kinder auf zwölf Stunden beschränkt worden. Infolge von Überarbeit sei für die geistige Entwicklung keine Zeit geblieben. Der physische Zustand habe sich ebenfalls verschlechtert; ansteckende Krankheiten seien unter ihnen ausgebrochen, und dies habe einige Vertreter der oberen Klassen veranlaßt, sich mit dieser Frage zu befassen. Sir Robert Peel, der Ältere, habe als einer der ersten die Aufmerksamkeit auf dieses schreiende Übel gelenkt, und Robert Owen sei der erste Fabrikant gewesen, der die Arbeitszeit in seiner Fabrik beschränkt habe. Das Zehnstundengesetz sei das erste Gesetz gewesen, welches die Arbeitszeit für Frauen und Kinder auf zehneinhalb Stunden täglich beschränkt habe, doch es habe sich nur auf bestimmte Fabriken erstreckt.

Dies sei ein Fortschritt gewesen, da die Arbeiter dadurch mehr Freizeit erhalten hätten. Was die Produktion anbelange, so sei diese Beschränkung schon bald wieder kompensiert worden. Infolge der vervollkommneten Maschinen und der erhöhten Arbeitsintensität der Arbeiter werde heute während des kurzen Arbeitstages mehr Arbeit geleistet als früher während des langen Arbeitstages. Die Menschen seien wiederum überarbeitet, und es werde bald notwendig, den Arbeitstag auf acht Stunden zu beschränken.

Eine weitere Folge der Anwendung von Maschinen habe darin bestanden, daß sie die Frauen und Kinder in die Fabriken getrieben habe. Dadurch sei die Frau zu einer aktiven Kraft unserer gesellschaftlichen Produktion geworden. Früher sei die Frauen- und Kinderarbeit im Familienkreis angewandt worden. Ich sage damit nicht, daß es schlecht ist, wenn Frauen und Kinder an unserer gesellschaftlichen Produktion teilnehmen. Ich glaube, daß jedes Kind von neun Jahren an einen Teil seiner Zeit mit produktiver Arbeit beschäftigt werden sollte, doch der Weg, auf dem die Kinder unter den gegenwärtigen Umständen gezwungen werden, zu arbeiten, ist abscheulich.

Eine weitere Folge der Anwendung von Maschinen sei die völlige Veränderung der kapitalistischen Verhältnisse im Lande gewesen. Früher habe es reiche Arbeitgeber und arme Arbeiter gegeben, die ihre eigenen Arbeitsinstrumente benutzt haben. Sie seien gewissermaßen freie Agenten gewesen, die Möglichkeit hatten, ihren Arbeitgebern wirksamen Widerstand entgegenzusetzen. Für den modernen Fabrikarbeiter, für die Frauen und Kinder gebe es eine solche Freiheit nicht, sie seien Sklaven des Kapitals.

Unaufhörlich erklinge des Kapitalisten Ruf nach einer Erfindung, die ihn vom Arbeiter unabhängig machen könnte; die Spinnmaschine und der Dampfwebstuhl haben ihn unabhängig gemacht, haben die Triebkraft der Produktion in seine Hände gelegt. Dadurch sei die Macht des Kapitalisten ungeheuer gestiegen. Der Fabrikherr sei zum Strafgesetzgeber innerhalb seines eigenen Betriebes geworden. Er verhängt willkürlich Strafen, oft zu seiner eigenen Bereicherung. Der Feudalherr sei in seinem Verhalten gegenüber den Leibeigenen durch Traditionen gebunden und bestimmten Regeln unterworfen gewesen; der Fabrikherr unterstehe keiner Kontrolle.

Zu den wichtigsten Folgen der Anwendung von Maschinen zähle die organisierte Arbeit, die früher oder später Früchte tragen müsse. Der Einfluß der Maschinen auf die Arbeiter, mit deren Arbeit diese Maschinen in Konkurrenz treten, sei direkt verheerend. In England und in Indien seien viele Handweber durch die Einführung des Dampfwebstuhls im wahrsten Sinne des Wortes getötet worden.

Man sage uns oft, daß die Not, die durch die Maschinen hervorgerufen wird, nur vorübergehend sei, doch die Entwicklung der Maschinen schreite ständig vorwärts, und wenn diese Entwicklung auch gleichzeitig viele Menschen zur Produktion heranziehe und ihnen Arbeit gebe, so beraube sie andererseits doch ständig viele Menschen ihrer Arbeit. Es gebe einen ständigen Überschuß an Verdrängten und nicht, wie die Malthusianer behaupteten, eine Übervölkerung im Verhältnis zur Produktion des Landes, sondern eine Übervölkerung, deren Arbeit durch produktivere Maschinen überflüssig geworden sei.

Die Anwendung der Maschinen auf dem Lande erzeuge eine ständige Übervölkerung, die schon keine Beschäftigung mehr findet. Dieser Überschuß ströme in die Städte und übe einen ständigen Druck auf den Arbeitsmarkt aus, einen Druck, der zur Senkung der Löhne führe. Der Zustand im Londoner Osten sei ein Beispiel für diesen Einfluß.

Die tatsächlichen Folgen der Anwendung von Maschinen könne man am besten in den Arbeitszweigen sehen, in denen keine Maschinen angewandt werden.

Zum Abschluß könne man sagen, daß die Anwendung von Maschinen einerseits zur assoziierten, organisierten Arbeit und andererseits zur Auflösung aller bisher bestehenden gesellschaftlichen und familiären Beziehungen führe.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

15
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über die Verkürzung der Arbeitszeit]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 11. August 1868]

Bürger Marx konnte nicht mit Milner darin übereinstimmen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit zu einer Verringerung der Produktion führe; dies sei unrichtig, weil dort, wo die Beschränkung des Arbeitstages durchgeführt worden sei, die Produktionsinstrumente bedeutend stärker entwickelt worden seien als in anderen Gewerben. Die Beschränkung des Arbeitstages werde zur Anwendung von mehr Maschinen und die Produktion in kleinem Maßstab immer unmöglicher machen, was übrigens für den Übergang zur gesellschaftlichen Produktion notwendig sei. Die sanitäre Seite der Frage sei klar. Doch eine Verkürzung der Arbeitszeit sei unerläßlich, um der Arbeiterklasse mehr Zeit für die geistige Entwicklung zu geben. Gesetzliche Beschränkungen des Arbeitstages seien der erste Schritt zum geistigen und physischen Aufschwung und zur endgültigen Befreiung der Arbeiterklasse. Heutzutage leugne niemand, daß eine Einmischung des Staates im Interesse der Frauen und Kinder erforderlich sei; eine Beschränkung ihrer Arbeitszeit aber habe in den meisten Fällen auch zu einer Verkürzung der Arbeitszeit für Männer geführt. England habe zuerst den Weg der Verkürzung der Arbeitszeit beschritten, andere Länder seien gezwungen gewesen, seinem Beispiel mehr oder weniger zu folgen. In Deutschland sei ernsthaft mit der Agitation begonnen worden, und vom Londoner Rat erwarte man, daß er die Führung dieser Bewegung übernehme. Prinzipiell sei die Frage auf den vorangegangenen Kongressen entschieden worden; jetzt sei die Zeit zum Handeln gekommen.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

16
Aufruf an die deutschen Arbeiter Londons

[„Hermann“ Nr.502
vom 15. August 1868]

Arbeiter!

Am 7. September d.J. versammelt sich der dritte internationale Arbeiterkongreß zu Brüssel.

Auf diesem Kongreß sollen die besten Mittel zur Ausbreitung, Kräftigung und gemeinsamen Wirksamkeit des internationalen Bundes der Arbeiter beraten werden; ferner solche Fragen, die den Interessen der Arbeiterklasse am nächsten liegen und nach Lösung drängen. Endlich soll man sich gegenseitig über die Mittel der Propaganda verständigen.

Die Fragen, die dem Kongreß von dem Generalrat vorgelegt werden, sind folgende:

1. Abkürzung und Regelung des Arbeitstages;
2. Der Einfluß der Maschinerie in den Händen der Kapitalisten;
3. Die Natur des Grundeigentums; 4. Die Erziehung der Arbeiterklasse;

5. Errichtung von Kreditanstalten, um die soziale Befreiung der Arbeiterklasse zu fördern;

6. Die besten Mittel zur Gründung von kooperativen Produktionsgesellschaften.

Um an der Durchführung des durch Zeit und Umstände gebotenen Unternehmens mitzuwirken, fordern wir euch auf, zu tun, was in euren Kräften steht, als Vereine oder auch als einzelne Personen. Es gilt, durch freiwillige Beiträge soviel zusammenzubringen, daß die deutschen Arbeiter Londons durch einen oder mehrere Abgeordneten vertreten werden können. Es wäre schmachvoll, wenn in der jetzigen so bewegten Zeit unter den Tausenden von deutschen Arbeitern in London nicht genug Gemeinsinn für die eigenen Klasseninteressen herrschte, um ihre Vertretung auf dem Brüsseler Kongreß zu sichern.

Darum Hand ans Werk! Es ist hohe Zeit, daß die Arbeiter aller Länder sich vereinigen und begreifen, daß zum erfolgreichen Kampfe gegen die Herrschergewalt der Kapitalisten ein mächtiger Bund aller Glieder der Arbeiterklasse nötig ist.

Laßt uns nicht vergessen, daß in den Vereinigten Staaten Nordamerikas der achtstündige Arbeitstag bereits als Gesetz für alle Regierungswerkstätten proklamiert worden ist.

Erinnern wir uns auch jener geschichtlichen, inhaltsreichen Worte, welche Karl Marx in der Vorrede seines Werkes „Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie“ 1867 niederschrieb:

„Wie der amerikanische Unabhängigkeitskrieg des 18.Jahrhunderts die Sturmglocke für die europäische Mittelklasse läutete, so der Amerikanische Bürgerkrieg des 19.Jahrhunderts für die europäische Arbeiterklasse.“5

Beiträge werden im Deutschen Arbeiterbildungsverein montags, mittwochs und samstags abends von 9 Uhr an in Empfang genommen vom Sekretär und Kassier.

Windsor Castle, 27, Long Acre, W.C.

Im Namen des Deutschen Arbeiterbildungsvereins,
deutscher Zweig der Internationalen Arbeiter-Assoziation:

Der Vorstand

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag 1961, S. 549-556.