Karl Marx
Mein Plagiat an F. Bastiat

In ....................1 entdeckt ein Bastiatit, daß ich die Bestimmung der Wertgröße der Waren durch die zu ihrer Produktion „gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“ dem F. Bastiat abstibitzt habe, und noch dazu in verballhornter Form. Ich könnte mir dies Quiproquo schon gefallen lassen. Wenn nämlich dieser Bastiatit Nr. I Bastiats und meine Wertbestimmungen der Sache nach identisch findet, erklärt ein Bastiatit Nr. II ziemlich gleichzeitig in dem Leipziger „Literarischen Centralblatt“ vom ....................2

Durch Addition von Bastiatit Nr. I zu Bastiatit Nr. II ergäbe sich also das Fazit, daß das ganze Heer der Bastiatiten jetzt in mein Lager übergehn und meine Entwicklungen über das Kapital in Bausch und Bogen annehmen müßte. Man begreift, daß ich nur nach hartem Seelenkampf auf solche Annexationsfreuden verzichte.

Die in meiner Schrift „Das Kapital“, 1867, enthaltene Wertbestimmung findet sich schon 2 Dezennien früher in meiner Schrift gegen Proudhon: „Misère de la Philosophie“, Paris 1847. (p. 49 seqq.3) Bastiats Wertweisheit kam erst einige Jahre später auf die Welt. Ich konnte daher nicht den Bastiat abschreiben, wohl aber der Bastiat mich.

Jedoch gibt Bastiat in der Tat gar keine Analyse des Werts. Er tritt nur begriffslose Vorstellungen breit, zum tröstlichen Nachweis, daß „die Welt voll großer, trefflicher, täglicher Dienst“ ist. Die deutschen Bastiatiten sind bekanntlich alle nationalliberal. Ich leiste ihnen also auch „großen, trefflichen Dienst“ durch einen Fingerzeig auf den spezifisch preußischen Ursprung des Bastiatschen Weisheitsfundes. Der alte Schmalz war nämlich preußischer Regierungsrat, wenn ich nicht irre, sogar geh. pr. Regierungsrat. Er war außerdem Demagogenriecher. Dieser alte Schmalz also veröffentlichte 1818 zu Berlin ein „Handbuch der Staatswirthschaftslehre“. Die französische Übersetzung seines Handbuchs erschien 1826 zu Paris unter dem Titel: „Économie Politique“. Der Übersetzer, Henri Jouffroy, figurierte auf dem Titel als „Conseiller au Service de Prusse“4. In folgendem Zitat wird man die Bastiatsche Wertvorstellung nicht nur dem Inhalt, sondern selbst dem Wortlaut nach quintessenziell vorfinden:

„Le travail d’autrui en général ne produit jamais pour nous qu’une économie de temps, et [que] cette économie de temps est tout ce qui constitue sa valeur et son prix. Le menuisier, par exemple, qui me fait une table, et le domestique qui porte mes lettres à la poste, qui bat mes habits, ou qui cherche pour moi les choses qui me sont necessaires, me rendent l’un et l’autre un service absolument de même nature; l’un et l’autre m’épargne et le temps que je serais obligé d’employer moi-même à ces occupations, et celui qu’il m’aurait fallu consacrer à acquérir l’aptitude et les talents qu’elles exigent.“5 (Schmalz, l.c. t. I, p.304.)

Man weiß also jetzt, wo Bastiat sein Fett, ich wollte sagen, sein Schmalz hergeholt hat.

Geschrieben um den 11. Juli 1868.
Nach der Handschrift.
Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag 1961, S. 312-313.