FRIEDRICH ENGELS
[Konspekt über]
„Das Kapital“ von Karl Marx
Erster Band

Geschrieben im Jahre 1868.
Nach der Handschrift.

ERSTES BUCH
Der Produktionsprozeß des Kapitals

ERSTES KAPITEL
Ware und Geld

I. Ware an sich1

Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktion herrscht, besteht in Waren. Die Ware ist ein Ding, das Gebrauchswert hat; dieser existiert in allen Gesellschaftsformen, in der kapitalistischen Gesellschaft aber ist der Gebrauchswert zugleich der stoffliche Träger des Tauschwerts.

Der Tauschwert setzt ein tertium comparationis2 voraus, woran er gemessen wird: die Arbeit, die gemeinsame gesellschaftliche Substanz der Tauschwerte, und zwar die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die in ihm vergegenständlicht ist.

Wie die Ware ein Zwieschlächtiges: Gebrauchswert und Tauschwert, so die in ihr enthaltene Arbeit doppelt bestimmt: einerseits als bestimmte produktive Tätigkeit, Weber-, Schneiderarbeit etc. etc., „nützliche Arbeit", andrerseits als einfache Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, niedergeschlagene abstrakte Arbeit. Erstere produziert Gebrauchswert, letztere Tauschwert, nur sie ist quantitativ vergleichbar (die Unterscheidungen von skilled3 und unskilled4, zusammengesetzter und einfacher Arbeit bestätigen dies).

Substanz des Tauschwerts also die abstrakte Arbeit, Größe desselben deren Zeitmaß. Nun noch die Form des Tauschwerts zu betrachten.

1. x Ware a = y Ware b, der Wert einer Ware ausgedrückt im Gebrauchswert einer andern ist ihr relativer Wert. Der Ausdruck der Äquivalenz zweier Waren ist die einfache Form des relativen Werts. In obiger Gleichung ist y Ware b das Äquivalent. In ihm erhält x Ware a seine Wertform im Gegensatz zu ihrer Naturalform, während y Ware b zugleich die Eigenschaft der unmittelbaren Austauschbarkeit erhält, selbst in seiner Naturalform. Der Tauschwert ist der Ware durch bestimmte historische Verhältnisse auf ihren Gebrauchswert aufgedrückt. Sie kann ihn daher nicht in ihrem eignen Gebrauchswert, sondern nur im Gebrauchswert einer andern Ware ausdrücken. Nur in der Gleichsetzung zweier konkreter Arbeitsprodukte tritt die Eigenschaft der in beiden enthaltenen konkreten Arbeit als abstrakt-menschliche Arbeit zutage, d.h. eine Ware kann sich nicht zu der in ihr selbst, wohl aber zu der in andren Warenarten enthaltenen konkreten Arbeit als bloßer Verwirklichungsform abstrakter Arbeit verhalten.

Die Gleichung x Ware a = y Ware b schließt notwendig in sich, daß x Ware a auch in andern Waren ausgedrückt werden kann, also

2. x Ware a = y Ware b = z Ware c = v Ware d = u Ware e = etc. etc. Dies ist die entfaltete relative Wertform. Hier bezieht sich x Ware a nicht mehr auf eine, sondern auf alle Waren als bloße Erscheinungsformen der in ihr selbst dargestellten Arbeit. Sie führt aber durch bloße Umkehrung auf

3. die rückbezogene zweite Form des relativen Werts:

y Ware b = x Ware a        u Ware d = x Ware a
v Ware c = x Ware a        t Ware e = x Ware a
etc. etc.

Hier erhalten die Waren die allgemeine relative Wertform, in der sie als Waren von ihrem Gebrauchswerte abstrahieren und sich als Materiatur abstrakter Arbeit in x Ware a gleichsetzen. x Ware a ist die Gattungsform des Äquivalents für alle andern Waren, sie ist ihr allgemeines Äquivalent, die in ihr materialisierte Arbeit gilt ohne weiteres als Realisation der abstrakten Arbeit, als allgemeine Arbeit. Nun kann aber

4. jede Ware der Reihe die allgemeine Äquivalent-Rolle übernehmen, aber gleichzeitig nur immer eine derselben, da wenn alle Waren allgemeine Äquivalente wären, jede die andern davon wieder ausschlösse. Form 3 ist nicht durch x Ware a hergestellt, sondern durch die andern Waren, objektiv. Also eine bestimmte Ware muß die Rolle übernehmen – zur Zeit, sie kann wechseln –, und erst dadurch wird die Ware vollständig Ware. Diese besondre Ware, mit deren Naturalform die allgemeine Äquivalentform verwächst, ist Geld.

Die Schwierigkeit in der Ware liegt darin, daß sie, wie alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise, ein persönliches Verhältnis unter sachlicher Hülle darstellt. Die Produzenten beziehen ihre verschiedenen Arbeiten aufeinander als allgemein menschliche Arbeit, indem sie ihre Produkte aufeinander beziehen als Waren – ohne diese Vermittlung der Sache bringen sie es nicht fertig. Das Verhältnis der Personen erscheint also als Verhältnis der Sachen.

Für eine Gesellschaft, worin die Warenproduktion vorherrscht, das Christentum, speziell der Protestantismus, die passende Religion.

II. Austauschprozeß der Ware5

Daß die Ware Ware ist, beweist sie im Austausch. Die Eigner zweier Waren müssen den Willen haben, ihre resp. Waren auszutauschen, und sich also gegenseitig als Privateigentümer anerkennen. Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag, ist nur das Willensverhältnis, worin sich das ökonomische Verhältnis widerspiegelt. Der Inhalt desselben ist durch das ökonomische Verhältnis selbst gegeben. p. 45.

Die Ware ist Gebrauchswert für ihren Nichtbesitzer, Nichtgebrauchswert für ihren Besitzer. Daher das Bedürfnis des Austausches. Aber jeder Wareneigner will spezifische, für ihn nötige Gebrauchswerte eintauschen – soweit ist der Tausch ein individueller Prozeß. Andrerseits will er seine Ware als Wert realisieren, also in jeder beliebigen Ware, ob nun seine Ware für den Besitzer der andern Ware Gebrauchswert sei oder nicht. Soweit ist der Tausch für ihn ein allgemein gesellschaftlicher Prozeß. Aber derselbe Prozeß kann nicht für alle Wareneigner zugleich individuell und allgemein gesellschaftlich sein. Jedem Wareneigner gilt seine Ware als allgemeines Äquivalent, alle andren Waren aber als soviel besondere Äquivalente derselben. Da alle Warenbesitzer dasselbe tun, ist keine Ware allgemeines Äquivalent, und daher hat keine Ware auch allgemeine relative Wertform, worin sie sich als Werte gleichsetzen und als Wertgrößen vergleichen. Sie stehn sich daher überhaupt nicht als Waren gegenüber, sondern nur als Produkte. p. 47.

Die Waren können sich nur als Werte und daher als Waren aufeinander beziehen, indem sie sich gegensätzlich auf irgendeine andre Ware als allgemeines Äquivalent beziehen. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen: Geld.

Der immanente Widerspruch der Ware als unmittelbare Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert, als Produkt nützlicher Privatarbeit … und als unmittelbare gesellschaftliche Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit, dieser Widerspruch ruht und rastet nicht, bis er sich zur Verdopplung der Ware in Ware und Geld gestaltet hat. p. 48.

Da alle andren Waren nur besondre Äquivalente des Geldes und Geld ihr allgemeines Äquivalent, so verhalten sie sich als besondre Waren zum Geld als der allgemeinen Ware. p. 51. Der Austauschprozeß gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Wert, aber ihre Wertform. p. 51. – Fetischismus: eine Ware scheint nicht erst Geld zu werden, weil die andern Waren allseitig ihre Werte in ihr darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt ihre Werte in ihr darzustellen, weil sie Geld ist.

III. Das Geld oder die Warenzirkulation6

A. Maß der Werte (Gold = Geld supponiert)

Geld als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes der Waren, der Arbeitszeit. Der einfache relative Wertausdruck der Waren in Geld x Ware a = y Geld ist ihr Preis. p. 55.

Der Preis der Ware, ihre Geldform, wird in vorgestelltem Geld ausgedrückt; Maß der Werte ist das Geld also nur als ideelles. p. 57.

Die Verwandlung von Wert in Preis einmal vollbracht, wird es technisch notwendig, das Maß der Werte weiter zu entwickeln zum Maßstab der Preise; d. h. ein Goldquantum wird fixiert, woran verschiedne Goldquanta gemessen werden. Dies ganz verschieden vom Maß der Werte, das selbst vom Wert des Goldes abhängt, dieser aber ist für den Maßstab der Preise gleichgültig. p. 59.

Die Preise in Rechennamen des Golds dargestellt, dient das Geld als Rechengeld.

Wenn der Preis als Exponent der Wertgröße der Ware Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld ist, so folgt umgekehrt nicht, daß der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld notwendig der Exponent ihrer Wertgröße sei. Gesetzt, Umstände erlauben oder zwingen eine Ware über oder unter ihrem Wert zu verkaufen, so sind diese Verkaufspreise nicht ihrem Wert entsprechend, aber doch Preise der Ware, denn sie sind 1. ihre Wertform, Geld, und 2. Exponenten ihres Austauschverhältnisses mit Geld.

Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgröße ist also in der Preisform selbst gegeben. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann. Die Preisform kann aber auch ... einen qualitativen Widerspruch beherbergen, so daß der Preis überhaupt aufhört, Wertausdruck zu sein ... Gewissen, Ehre etc. können ... durch ihren Preis die Warenform erhalten. p. 61.

Die Messung der Werte in Geld, die Preisform, schließt die Notwendigkeit der Veräußerung ein, die ideelle Preisgebung die wirkliche. Daher Zirkulation.

B. Zirkulationsmittel

a) Die Metamorphose der Waren

Einfache Form: W – G – W, deren stofflicher Inhalt = W – W. Tauschwert wird weggegeben und Gebrauchswert angeeignet.

α) Erste Phase: W – G = Verkauf, wozu zwei gehören, also die Möglichkeit des Nichtgelingens, resp. des Verkaufs unter dem Wert oder auch unter den Produktionskosten, wenn der gesellschaftliche Wert der Ware sich ändert. „Die Teilung der Arbeit verwandelt das Arbeitsprodukt in Ware und macht dadurch seine Verwandlung in Geld notwendig. Sie macht es zugleich zufällig, ob diese Transsubstantiation gelingt.“ p. 67. Doch hier das Phänomen rein zu betrachten. W – G setzt bei dem Inhaber des G (falls er nicht Goldproduzent ist) voraus, daß er sein G gegen andre W vorher eingetauscht hat: es ist also für den Käufer nicht nur umgekehrt = G – W, sondern setzt bei ihm einen früheren Verkauf voraus, usw., so daß wir in einer unendlichen Reihe von Käufen und Verkäufen stehen.

β) Dasselbe findet statt bei der zweiten Phase, G – W, Kauf, der zugleich für den andern Beteiligten Verkauf ist.

γ) Der Gesamtprozeß also ein Kreislauf von Käufen und Verkäufen. Warenzirkulation. Diese ganz verschieden vom unmittelbaren Produktenaustausch; erstens werden die individuellen und lokalen Schranken des unmittelbaren Produktenaustauschs durchbrochen und der Stoffwechsel der menschlichen Arbeit vermittelt, andrerseits zeigt sich hier schon, daß der ganze Prozeß von gesellschaftlichen Naturzusammenhängen bedingt ist, die von den Handelnden unabhängig sind. p. 72. Der einfache Austausch erlosch in dem einen Austauschakt, wo jeder den Nichtgebrauchswert gegen Gebrauchswert austauscht, die Zirkulation geht unendlich voran.

p.73. Hier das falsche ökonomische Dogma: die Warenzirkulation bedinge ein notwendiges Gleichgewicht der Käufe und Verkäufe, weil jeder Kauf auch Verkauf und vice versa – womit gesagt werden soll, jeder Verkäufer bringe auch seinen Käufer mit zu Markt. 1. Kauf und Verkauf sind einerseits ein identischer Akt zweier polarisch entgegengesetzter Personen, andererseits zwei polarisch entgegengesetzte Akte einer Person. Die Identität von Kauf und Verkauf schließt daher ein, daß die Ware nutzlos ist, wenn sie nicht verkauft wird, und ebenso, daß dieser Fall eintreten kann. 2. W – G als Teilprozeß ist zugleich ein selbständiger Prozeß und schließt ein, daß der Erwerber des G den Zeitpunkt wählen kann, wo er dies G wieder in W verwandelt. Er kann warten. Die innere Einheit der selbständigen Prozesse W – G und G – W bewegt sich eben wegen Selbständigkeit dieser Prozesse in äußeren Gegensätzen, und wenn die Verselbständigung dieser abhängigen Prozesse eine gewisse Grenze erreicht, macht sich die Einheit geltend durch eine Krise. Deren Möglichkeit also schon hier gegeben.

Als Vermittler der Warenzirkulation ist das Geld Zirkulationsmittel.

b) Umlauf des Geldes

Das Geld vermittelt für jede individuelle Ware den Eintritt in und den Austritt aus der Zirkulation; es selbst bleibt immer drin. Obwohl daher bloßer Ausdruck der Warenzirkulation, erscheint doch die Warenzirkulation als Resultat der Geldzirkulation. Da das Geld stets in der Zirkulationssphäre bleibt, ist die Frage, wieviel Geld in ihr vorhanden ist.

Die Masse des zirkulierenden Geldes ist bestimmt durch die Preissumme der Waren (bei gleichbleibendem Geldwert), und diese durch die in der Zirkulation begriffne Warenmasse. Diese Warenmasse als gegeben gesetzt, fluktuiert die zirkulierende Geldmasse mit den Preisschwankungen der Waren. Da nun stets ein und dasselbe Geldstück eine Anzahl Geschäfte nacheinander vermittelt in einer gegebenen Zeit, so ist für einen gegebenen Zeitabschnitt Preissumme der Waren
Umlaufsanzahl eines Geldstücks
= Masse des als Zirkulationsmittel funktionierenden Geldes. p. 80.

Daher kann Papiergeld Goldgeld verdrängen, wenn es in eine gesättigte Zirkulation geworfen wird.

Da im Geldumlauf nur der Zirkulationsprozeß der Waren erscheint, so auch in seiner Geschwindigkeit die ihres Formwechsels, in seiner Stockung die Trennung des Kaufs vom Verkauf, die Stockung des gesellschaftlichen Stoffwechsels. Woher diese Stockung entspringt, ist natürlich der Zirkulation nicht anzusehen, sie zeigt nur das Phänomen selbst. Der Philister erklärt es sich aus mangelnder Quantität der Zirkulationsmittel. p. 81.

Ergo: 1. Bei gleichbleibenden Warenpreisen steigt die zirkulierende Geldmasse, wenn die zirkulierende Warenmasse steigt oder der Geldumlauf langsamer wird; und fällt vice versa.

2. Bei allgemein steigenden Warenpreisen bleibt die zirkulierende Geldmasse gleich, wenn die Warenmasse abnimmt oder die Zirkulationsgeschwindigkeit zunimmt im selben Verhältnis.

3. Bei allgemein fallenden Warenpreisen umgekehrt von 2.

Im allgemeinen ergibt sich ein ziemlich konstanter Durchschnitt, der fast nur durch Krisen bedeutende Abweichungen erfährt.

c) Münze – Wertzeichen

Der Maßstab der Preise wird durch den Staat festgestellt; so auch die Bezeichnung des Namens für das bestimmte Goldstück – die Münze, und seine Anfertigung. Auf dem Weltmarkt wird die resp. Nationaluniform wieder ausgezogen (vom Schlagschatz wird hier abstrahiert), so daß Münze und Barren sich nur durch die Form unterscheiden. – Aber die Münze verschleißt im Umlauf, Gold als Zirkulationsmittel differiert von Gold als Maßstab der Preise, die Münze wird mehr und mehr Symbol ihres offiziellen Gehalts.

Hiermit die Möglichkeit latent gegeben, das Metallgeld durch Marken oder Symbole zu ersetzen. Daher 1. Scheidemünze aus Kupfer- oder Silbermarken, deren Festsetzung gegenüber dem reellen Goldgeld durch Beschränkung der Quantität, in der sie legal tender7 sind, verhindert wird. Ihr Gehalt rein willkürlich durchs Gesetz bestimmt und ihre Münzfunktion wird dadurch unabhängig von ihrem Wert. Daher der Fortschritt möglich zu ganz wertlosen Zeichen. – 2. Papiergeld, d.h. Staatspapiergeld mit Zwangskurs (Kreditgeld hier noch nicht zu behandeln). Soweit dies Papiergeld anstatt Goldgeld wirklich zirkuliert, ist es den Gesetzen der Goldzirkulation unterworfen. Nur das Verhältnis, in dem Papier Gold ersetzt, kann Gegenstand eines besondren Gesetzes sein, und dies ist: daß die Ausgabe des Papiergeldes auf die Quantität zu beschränken, in der das von ihr dargestellte Gold wirklich zirkulieren müßte. Zwar schwankt der Sättigungsgrad der Zirkulation, aber überall stellt sich ein erfahrungsmäßiges Minimum heraus, unter das er nie fällt. Dies Minimum kann ausgegeben werden. Darüber hinaus wird beim Sinken des Sättigungsgrads aufs Minimum ein Teil sofort überschüssig. In solchem Fall stellt das gesamte Papierquantum innerhalb der Warenwelt dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze bestimmte, also auch allein repräsentierbare Goldquantität vor. Ist also die Papiermasse das Doppelte der absorbierten Goldmasse, so depreziert sich jedes Papierstück auf den halben Nominalwert. Grade wie wenn das Gold in seiner Funktion als Maß der Preise, in seinem Wert, verändert wäre. p.89.

C. Geld

a) Schatzbildung

Mit der ersten Entwicklung der Warenzirkulation selbst entwickelt sich die Notwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt von W – G = das G festzuhalten; aus bloßer Vermittlung des Stoffwechsels wird ihr Formwechsel Selbstzweck. Geld versteinert zum Schatz, der Warenverkäufer wird Schatzbildner. p.91.

Diese Form vorherrschend grade in den Anfängen der Warenzirkulation. Asien. Mit weitrer Entwicklung der Warenzirkulation muß jeder Warenproduzent sich den nervus rerum, das gesellschaftliche Faustpfand – G sichern. So entstehn überall hoards8. Die Entwicklung der Warenzirkulation vermehrt die Macht des Geldes, der stets schlagfertigen, absolut gesellschaftlichen Form des Reichtums. p.92. Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur schrankenlos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos, d. h. allgemeiner Repräsentant des stofflichen Reichtums, weil in jede Ware unmittelbar umsetzbar. Quantitativ ist jede wirkliche Geldsumme aber beschränkt, daher auch nur Kaufmittel von beschränkter Wirkung. Dieser Widerspruch treibt die Schatzbildung stets von neuem zurück zur Sisyphusarbeit der Akkumulation.

Daneben die Akkumulation von Gold und Silber in plate9, zugleich neuer Markt für diese Metalle, zugleich latente Geldquelle.

Die Schatzbildung dient als Ab- und Zuflußkanal des zirkulierenden Geldes bei den steten Schwankungen des Sättigungsgrades der Zirkulation. p.95.

b) Zahlungsmittel

Mit der Ausbildung der Warenzirkulation treten neue Verhältnisse ein: die Veräußerung der Ware kann von der Realisierung ihres Preises zeitlich getrennt sein. Die Waren erfordern verschiedne Zeitdauer zu ihrer Produktion, werden in verschiedner Jahreszeit produziert, manche müssen nach entfernten Märkten versandt werden usw. A kann daher Verkäufer sein, ehe B, der Käufer, zahlungsfähig ist. – Die Praxis regelt so die Zahlungsbedingungen, A wird Gläubiger, B Schuldner, Geld wird Zahlungsmittel. Das Verhältnis von Gläubiger und Schuldner wird also schon antagonistischer. (Es kann auch unabhängig von der Warenzirkulation auftreten, z.B. im Altertum und Mittelalter.) p. 97.

In diesem Verhältnis fungiert Geld 1. als Wertmaß in der Preisbestimmung der verkauften Ware, 2. als ideelles Kaufmittel. Beim Schatz wurde G der Zirkulation entzogen, hier beim Zahlungsmittel tritt G in die Zirkulation, aber erst nachdem W aus ihr ausgetreten ist. Der schuldige Käufer verkauft, um zahlen zu können, oder er wird subhastiert. G wird also jetzt Selbstzweck des Verkaufs, durch eine den Verhältnissen des Zirkulationsprozesses selbst entspringende gesellschaftliche Notwendigkeit. p. 97, 98.

Die Ungleichzeitigkeit der Käufe und Verkäufe, die die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel hervorrufen, bringen gleichzeitig eine Ökonomie der Zirkulationsmittel zustande, die Konzentration der Zahlungen an einem bestimmten Ort. Virements in Lyon im Mittelalter eine Art von Clearing house, wo nur der Saldo der gegenseitigen Forderungen gezahlt. p. 98.

Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert das Geld nur ideell als Rechengeld oder Maß der Werte. Soweit wirkliche Zahlungen zu verrichten, tritt es nicht als Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, als selbständiges Dasein des Tauschwerts, als absolute Ware. Dieser unvermittelte Widerspruch eklatiert in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise heißt. Sie ereignet sich nur, wo die prozessierende Kette der Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, springt das Geld plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld um, es wird unersetzlich durch profane Waren. p. 99.

Das Kreditgeld entspringt aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, die Schuldzertifikate zirkulieren selbst wieder zur Übertragung der Schuldforderungen. Mit dem Kreditwesen dehnt sich wieder die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel aus, als solches erhält es eigene Existenzformen, in denen es die Sphäre der großen Handelstransaktionen behaust, während die Münze hauptsächlich in die Sphäre des Kleinhandels zurückgedrängt wird. p. 101.

Bei gewisser Höhe und Umfang der Warenproduktion greift die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre der Warenzirkulation hinaus, es wird allgemeine Ware der Kontrakte. Renten, Steuern etc. verwandeln sich aus Naturallieferung in Geldzahlungen. Vgl. Frankreich unter Ludwig XIV. (Boisguillebert und Vauban), dagegen Asien, Türkei, Japan etc. p. 102.

Die Entwicklung des Geldes zum Zahlungsmittel ernötigt Geldakkumulation für die Verfalltage – die als selbständige Bereicherungsform in der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung verschwindende Schatzbildung taucht wieder auf als Reservefonds der Zahlungsmittel. p. 103.

c) Weltgeld

Im Weltverkehr werden die lokalen Formen von Münze, Scheidemünze, Wertzeichen abgestreift, und nur die Barrenform des Geldes gilt als Weltgeld. Erst auf dem Weltmarkt funktioniert das Geld in vollem Umfang als die Ware, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat. p. 104 (Details 105).

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag 1961, S. 243-254.